Über viele Jahre wird man zum Balkongärtner.

Da sich bald mein zweites Blogjubiläum jährt, denke ich wieder darüber nach, wie ich zum Balkongärtnern gekommen bin. Es ist über 10 Jahre her.
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Damals wohnte ich in einem alten Haus, was seinen Reiz  hatte, da die alten Bauteile, aus der Zeit um 1910,  da waren, und erkennbar alt waren.
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Es gab dabei eine selbtsame Symbiose zwischen den alten Dingen, die dieses Haus ausmachten, und der höchst natürlichen Art, in der ich damals zu gärtnern begann.
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Ich habe die Pflanzen in tönernen Blumenkästen gezogen. Diese Blumenkästen waren zum Teil gar keine normalen Blumenkästen, sondern die Füße von alten Kachelöfen, die zu der Zeit reihenweise in die Container wanderten.
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Die Füße sind entweder lang – einen sieht man links auf der Brüstung – oder klein, das sieht man links unten im Bild. Sie lagen, was in der Natur der Sache liegt, auf den Containern oben auf, da sie als letztes beseitigt wurden. So konnte man sie leicht mitnehmen.
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Dann gab es noch eine kuriose Besonderheit auf dem Balkon: Es war eigentlich verboten, ihn zu betreten! Denn er war offiziell absturzgefärdet. Daher habe ich die komplette Balkonbewirtschaftung mit dem lagen Arm von der Tür aus betrieben. Das führte dazu, dass ich wenig beschnitten habe, auch habe ich kein Unkraut gejätet. Das, was ich einmal gepflanzt hatte, mit allem, was sich noch so aussähte, ließ ich gemeinsam wachsen!
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Daher hatte ich ein wunderbares Mikroklima und eine große Biodiversität in den Kästen, vor allem wuchs da viel Moos, in allen Kästen, das war herrlich. Moos ist ein Geduldsfaktor. Wenn man ständig an den Töpfen oder Kästen rummacht, gibts kein Moos!

Das alles hat mich schon beeinflusst. Ich habe gerne schöne Dinge auf dem Balkon. Damals waren sie noch alle da und gratis, wie dieses alte Profilglas, das es schon in der Jahrundertwende gab. Vielleicht war es in dem Haus, das, wie ich sah, kürzlich saniert wurde, sogar so alt, von 1913:
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Und der Blick auf das Gewerbe-Hinterhaus mit den gelben Ziegeln hatte eine wunderbare Farbvielfalt erzeugt, die ich heute mit den Plfanzen erzeugen muss.
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Schon damals ging es mir aber auch darum, Gehölze auf dem Balkon zu haben, die man sonst gar nicht so ohne weiteres dort erwartet. Hierüber z.B. ein Nespolo, eine Wollmispel. Die hatte sich im Blumenkasten der Wohnung, die ich vorher hatte, selbst ausgesäht. Und die Eberesche im Blumenkasten habt ihr wahrscheinlich schon entdeckt.

Der Blick von Innen nach Außen war, da ich den Balkon nicht betreten konnte, die einzige Option.
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Daher genieße ich die Balonvielfalt meines jetzigen Balkons drauße sitzend sehr. Und habe mich professionalisiert mit der Pflege meiner Pflanzen. Das ideal, den Balkon kaum zu beeinflussen, noli me tangere, dies aber bleibt mir im Hinterkopf. Es ist gar kein so schlechter Ratgeber. Nur, dass man, wenn man älter wird, spießiger wird. Und eben doch mehr tut.

Das als Bericht in Hinsicht auf meine Garten-Vergangenheit und mein aufkommendes Blogjubiläum. Denn zum Zweijährigen möchte ich dieses Jahr mal etwas Ungewöhnliches schreiben, das gar nichts mit dem Balkon zu tun hat. Wenn ich mich traue. Ist ja fast noch einen Monat hin.

Unsuccessful. Sterbendes Grün im winterlichen Zimmer – Schuld ist die Heizung.

Zwei winterliche Hoffnungen, von denen ich freudig berichtete, sind gründlich misslungen.
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Die wunderschönen Apfelbäumchen sind beide eingegangen. Der erste, kräftige, schnelle, gleich, nachdem ich im Blog begeistert von ihm berichtet hatte, der zweite, hierüber, über einen langen Zeitraum, die werden dann von unten her rot, und dann ist schließlich schluss. Egal, was man macht.
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Ebenso ist die Tomate, die ich lange erfolgreich über den Winter gebracht habe, schließlich sehr langsam und ebenfalls ohne, dass irgendetwas, das ich versucht habe, gefruchtet hat, eingegangen.
Ich denke, es ist die Heizung. Mit der haben Pflanzen ein Riesemproblem. Und man kann es nur schwer umgehen, wenn man keinen Raum hat, in dem es niedrige Temperaturen gibt. Ich hätte es zumindest mit den Äpfelchen machen müssen, wie mit dem Hibiskus, den ich in einer recht kühlen Abstellkammer mit Fenster lagere. Bin aber nicht darauf gekommen. Die wuchsen soooo schnell und kräftig, dass ich dachte, sie lieben die Wärme. Werch ein Illtum!

Die Balkonliebe im Winter

Nun hat es mich gepackt! Arletta, Almut und nun auch noch Henning, da musste ich es endlich mal versuchen!
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Jacke und Mütze anziehen, wie es Almut sogar für den Balkon macht.chaos-auf-balkon-loggia
Und, dann galt es das Chaos zu beseitigen, wer möchte denn da raus, geschweige denn sitzen!
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Es ging aber viel einfacher, als gedacht, denn für den Winterschutz der Pflanzen hatte ich das meiste doch in Ordnung, das Gröbste musste nur weg! Schon wurde der Balkon zu einem attraktiven Ort.
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Nun. Ist das Bild NICHT im Zimmer aufgenommen. Es ist auf dem Balkon. So kann man sich bei knapp über Null Grad einen Stuhl auf dem Balkon herrichten! Kameldecke und Wärmflasche!
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Da lässt sich dann durchaus eine Weile lang sitzen. Das war sogar sehr, sehr schön. Es ist eine Sach des Aufraffens, es zu tun.
Wie war es nun? Schön. Kühle Luft, Frische, Licht, obwohl es trübe ist in Berlin, richtig schön. So soll es sein. Der Balkon kann also auch im Winter zu einem Teil der Wohnung werden, was Arletta als Wert betont. Das draußen sein und zugleich in der Wohnung ist auch nun wunderschön. Ich hatte nur lange nicht gewusst, dass man das im Winter eigentlich nicht missen braucht, es ist nur anders. Man muss nur gewisse Dinge überwinden.
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So ist es schon einfach kalt noch, eindeutig. Winterlich sind alle Pflanzen, irgendwelche Hoffnungen kommen da erstmal nicht auf. Das sieht man vom Balkon schon realistischer. Aber, warm bleibt es mit der Wärmflache lange, bis man merkt, Kälte dringt ein, dann geht man eben in die Wohnung. Ich musste mich aber auch einfach aufraffen, auf dem unbequemeren Stuhl zu sitzen, denn der Bequemere ist, wie man rechts deutlich sieht, gerade kaputt, und ich muss ihn für den Frühling noch reparieren.
Das Unangenehmste war etwas ganz anderes, als erwartet. Im Winter ist man vollkommen exponiert auf dem Balkon. Alle Fenster starren einen an, so scheint es! Kein einziges Blatt auch nur gewährt den Rückzug. Das ist recht unangenehm, zumal, da ich im ersten OG wohne, und vier Geschosse auf mich runter blicken. Daran muss man sich gewöhnen, und ob ich das schaffe, mal sehen.

Klaustrophilie.

Eine der erstaunlichsten Dinge über den Balkon im Winter: Man betritt ihn im Grunde in dieser Zeit nicht. Er wird zum Un-Ort. Von drinnen schaut man gelegentlich heraus, um sich dann bibbernd wieder abzuwenden, sich in den Warmen kern der Wohnung zurückzuziehen.
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Was ist das für ein Gefühl? Erwartung, liegt nahe, ist auch eines der Gefühle. Jedes Mal wenn ich Äste vom Sofa aus sehe, denke, fühle ich schon voraus, was das werden wird. Aber, es gibt eine Art der Angst, nur ganz zart, aber doch eindeutig.
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Kann ich da in die Kälte eigentlich heraus? Jedes Mal, wenn ich es tue, dann zucke ich schnell wieder zurück, ziehe ich mich zurück. Klaustrophilie. „Die Liebe des Abgeschlossenen“, wäre die direkte Übersetzung. Dass der Begriff auch pathologisch verwendet wird, vergessen wir an dieser Stelle. Im Wortsinne steckt das, was den Winter durchaus mit ausmacht: Die Befriedigung daran, drinnen zu sein, nicht raus zu wollen.
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Dabei bin ich oft draußen. Vor allem, seit wir den Kleingarten haben, fast täglich, obwohl es friert, arbeite ich an allem was gerade eben machbar ist. Jedoch, der direkte Blick aus dem warmen Wohnzimmer auf den Balkon, der hat eine spezielle Note. Bloß nicht in diese Kälte, die so nahe vor meiner Scheibe ist, geradezu an der Scheibe klebt!
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Das Spannende, Frappierende: Das eben ist die Umkehrung dessen, was der Balkon im Frühling, Sommer und Herbst ist: Die Chance zum permanenten, semipermeablen Austritt. Die Chance, draußen zu sein, aber doch ganz nahe bei Zuhause.
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In den Warmen Zeiten sind Balkon und Wohnung eine symbiotische Polarität, sie sind zwei, aber sie sind fast vereint. Da trete ich immer gerne heraus. Von draußen dann herein zu schauen, ist dann ein Gefühl von, „irgendwie ist es besser draußen!“. Es ist also durchaus die Kälte, die nahe Kälte, die es im Winter so schwer macht, den Balkon zu nutzen. Das glatte Gegenteil vom Sommer also.
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Es ist also im Winter durch die Kälte eine klarer geschiedene Handlung, wenn man sich den Mantel, die Mütze, die Handschuhe anzieht und durch die Haustür heraus geht, als den Schritt auf den Balkon zu wagen.

Ich finde das etwas schade. Aber, es ist so und lässt sich auch nicht ändern. Bei mir zumindest. Und bei euch?

Wächst im Winter ein Apfelbaum!

Die Apfelsamen, die ich am 21. November gewonnen und mit eurer Hilfe näher bestimmt habe, entwickelten sich prächtig. Lange Geduld hat sich gelohnt.
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Denn, fast 8 Wochen hatte ich drei Apfelkerne nach einer Anleitung in feuchtes Küchenpapier eingeschlagen im Kühlschrank gelagert. Das muss man tun, um die Uhr der Samen auszutricksen, die auf Frost und Kälte erstmal warten. Das feuchte Küchenpapier mit den Samen war in einem Marmeladenglas, dass ich manchmal geschlossen, meist geöffnet gelagert habe, es gab keinen Schimmel. In der 8. Woche habe ich geschaut, und zwei schon gut 3 cm lange Samen entdeckt.
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Die kamen dann am 12. Januar 2017 in solche kleinen Jogurtbecher mit herausnehmbarem, durchlöcherten Körbchen. Denn man soll staunässe vermeiden.
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Dass ich aber schon am 16. Januar, vier Tage später, einen herauskommenden Keim haben würde, das war einfach eine Überraschung!
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Am 18. Januar waren die Keimblätter schon nicht mehr gebeugt, sondern aufgerichtet!
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Am nächsten Morgen hatte ich die geöffneten Keimblätter eines wirklichen Apfelbaums!
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Und schon einen Tag später die ersten Laubblätter! So schnell! Auch kam nun schon der zweite Keim.
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Ist das – mitten im Winter – nicht wahnsinnig schön?