Was braucht´s noch? Substrat, Grünraum, Kletterhilfen, konstruktive Sicherheit

Neben den ideellen Dingen, die es braucht, benötigt ein Balkon zum Garten-Werden ein gewisses Umgehen mit den Faktoren, die nötig dazu sind: Ein Garten hat viel Platz, ein Balkon hingegen wenig. Auf dem Platz möchte ich soviel wie möglich an Artenvielfalt, an vielen Früchten fürs Müsli, an Blühten, an Gewürzen haben, daher muss man den Platz wirklich ausnutzen, und dazu muss man die vier Faktoren des Balkongartens kennen und stehts beherzigen: Substrat, Grünraum, Kletterhilfen, konstruktive Sicherheit.

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Mein Balkon gestern, Blick nach Westen, nachdem ich noch ein „Regal“, links an der Brüstungsmauer, angebracht habe. Das hat viel Platz gewonnen, sieht aber auch ein bisschen spießig aus, was ich sonst gerne vermeide. Aber, wenn alles wuchert, wird man das nicht mehr sehen.

Zunächst ist der wichtigste Faktor für viel Grün: möglich VIEL an Substrat, sprich Erde, die man irgendwo unter bekommt. Gerade Gehölze brauchen viel davon, Rosen sollen 50-70cm tief wurzeln können, das kann man auf dem Balkon normalerweise nicht machen. Daher sucht man weniger wüchsige Sorten, oder hofft, dass es auch mit 45 cm klappt (das hoffe ich gerade). Und dann dürfen die Kisten und großen Blumentöpfe ja auch nicht allen Platz wegnehmen, den man zum Genießen braucht, also für Stühle und kleine Wanderungen auf dem Balkon (ja, Wanderungen!). Daher bin ich ständig am Planen und Räumen, wo was hin kann, wo ich noch kleine Regälchen anbringen kann, auf denen Töpfe stehen können. Denn, und das ist wichtig, man kann die Erde in den Gefäßen auf dem Balkon ja überall, auch übereinander, verteilen, sie anhängen, anschrauben, gerne stelle ich auch große Töpfe auf die Ecken meiner Pflanzkisten; sie lehnen dann hinten an der Wand (sieht man auf dem ersten Bild)

Dann muss man nur noch überlegen, wo die Pflanze hinwachsen soll. Bei Sträuchern und Bäumchen ist das ja ein gewisser Raumfaktor, den sie einnehmen werden mit ihrem Grün. Die stelle ich also gerne da hin, wo sie aus dem Balkon rausragen und wo sie zudem als Sichtschutz vor den neugierigen Nachbarn dienen.

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Oder, sie sollen über den Raum über dem  wachsen, in dem man sich bewegt. Und die Rankenden, Clematis, Ramblerrosen, Jelängerjelieber, meine gigantische Brombeere Theodor Reimers, die brauchen Rankgerüste. Damit kann man aber ja alle Wände des Balkons bedecken, insbesondere wenn man so, wie ich sogar einen Loggia hat. Da kann man also richtig handwerklich werden und mit Leisten (aus einem Holz, das fest ist und auch jahrelang immer mal Feuchtigkeit verträgt, wenn sie wieder wegtrocknet) Gerüste bauen, die schön proportioniert sein sollten, auch, wenn man sie im Grunde später nicht mehr sieht unter der Pracht. Ich habe 40 cm für die Abstände der Horizontalen genommen, denn, die Vertikalen Verbindungen mache ich später nach Bedarf mit Sylvester gesammelten Raketenstöcken.

IMG_4293 KopieHier sieht man das Rankgerüst bis fast ganz oben, zudem rechts oben kommt der sehr lange Treib der Brombeere Theodor Reimers an. Die Pflanze wächst am diametral anderen Ende! Diesen Trieb habe ich einfach unter der Fensterteilung lang wachsen lassen: Erfinderisch kann man mit der Architektur, die man vorfindet, gerne sein! Links ist das Regälchen an der Brüstung noch nicht da; dies Bild ist vorgestern.

Und dann muss man zum Schluss die Konstruktive Sicherheit seiner ganzen Bauten nicht vergessen. Daran denken, dass das schwerer werden kann, als man beim Anblick der Blütenpracht so denken mag. Daran denken, dass es starken Wind geben kann. Also, das muss alles schon fest sein. Und, was ich immer gerne möchte, aber dann nicht mache: Klettergerüste dürfen nicht zu weit aus dem Balkon rausragen. Die Hebelwirkung kann immens sein, wegen des Windes, und dann ist unter dem Balkon ja oft auch was, wo vielleicht jemand gefährdet ist, wenn das alles runter kommt. Also, auf die Grundfläche des Balkons weitgehend beschränken. Wenn das Rankgerüst vertikal mehrfach verankert an der Wand verläuft, dann kann man aber gerne damit rechnen, dass horizontal abgehende Ästchen und Äste doch aus dem Balkon rausragen, dass kann in Maßen nichts schaden. Die bewegen sich ja im Wind, daher ist die Hebelwirkung nur minimal, anders als bei dem Steifen Rankgerüst. Das habe ich für meine New Dawn-Rose so vorgesehen.

Ohne Titel 2Heranführung der Klematis aus der Pflanzkiste an das Rankgerüst.

Wenn man diese Faktoren beherzigt und manchmal etwas erfinderisch ist, dann kann man auf einem Balkon verdammt viel grünes Leben unterbringen!

IMG_4305 KopieBlick auf meinem Balkon in Richtung Osten.

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4 Gedanken zu “Was braucht´s noch? Substrat, Grünraum, Kletterhilfen, konstruktive Sicherheit

  1. Hallo Giorgione,

    willkommen in der bunten Welt der Balkongarten-Blogger! 🙂
    Ich bin ja echt beeindruckt, was Du schon so alles auf Deinem Balkon untergebracht hast. Und die selbstgebauten Rankhilfen aus Raketenstöcken finde ich einfach nur genial! 🙂

    Viel Spaß weiterhin beim Bloggen und Gärtnern!

    Herzliche Grüße
    Mel

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    1. Hallo, Mel, ach Mensch, ich bin total glücklich, dass ich schon nach weniger als einer Woche zwei Kommentare habe!!!! Und dazu noch so nette! Ja, ich achte sehr auf Qualität, aber, ich muss zugeben, auch Quantität ist für mich wichtig. Ich habe mit wirklich absolut sprachloser Begeisterung Deinen Fred zur Vielfalt gelesen: „http://kistengruen.de/wp/2015/02/vielfalt/“ . Das hast DU ganz wunderbar formuliert, und ich könnte da kaum etwas hinzufügen! Auch ich finde es ganz wichtig für mich, verschiedene Pflanzen zu haben, aus den Gründen der Gesudhaltung auf der einen Seite, aber auch einfach, weil es so schön ist! Meine Frau achte immer sehr darauf, zurecht, dass es nie zu viel wird, damit wir da noch glücklich sitzen können, und ich neige dazu, ständig neues unter zu bringen. So ergänzen meine Frau und ich uns ideal, dass ich ihr immer zeigen muss, wo ich etwas neues denn unterbringen möchte? Auf der anderen Seite aber ist meine Frau auch so spontan wie ich, und machmal muss man eben schauen, wo es hin kommen kann. Ich verdanke es ihr, dass ich meine Angst vor Rosen mit deren Ansprüchen nun einfach überwunden habe! Ob es überhaupt auf die Dauer möglich ist, so viel auf 3×1.20 Meter unter zu bringen, das wird eines der Themen auf meinem Blog sein. Wie gesagt, mindestens jeden Mittwoch werde ich etwas posten.

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  2. Hey, das freut mich sehr, dass Dir der Text gefallen hat. 🙂 🙂 🙂
    Ich finde es sehr lustig, dass Deine Frau und Du auch so eine Balkon-Beziehung führt wie sie bei uns herrscht. Nur sind in diesem Fall die Geschlchterollen vertauscht: Ich schleppe immer Grünzeugs an, mein Freund will auch mal gemütlich auf dem Balkon sitzen können, ohne dass ihm eine Ranke oder ein Blatt vor der Nase rumhängt. 🙂 Aber bislang haben wir das ganz gut hinbekommen… finde ich zumindest. 😉
    Rosen haben wir leider keine auf dem Balkon. Ich weiß gar nicht, wieso. Vielleicht weil man sie nicht essen kann…?! Da muss ich noch mal überlegen, ob das noch was für uns wäre… Noch ist ja genug Platz vorhanden! 🙂

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  3. Hallo, Mel, wenn Du mit Rosen auf dem Balkon beginnst, solltest Du wohl etwas weniger naiv rangehen, als ich. Sprich: Noch robustere Sorten, als ich gewählt habe. Ich hoffe aber, dass es auch bei mir dennoch klappt. Rosen sind vielfältig und wieder so ein Problem, dass man alles mögliche erzählt bekommt. Ich verstehe es bis heute nicht ganz: In allen meinen Fachbüchern steht, ein ph-Wert des Bodens von 5,5-6,5 (z.B. in Hieke, Praktische Dendrologie). Das ist aber nun mal ein leicht saurer Boden. In der Baumschule sagte man mir, Rosen bräuchten aber einen leicht basischen Boden, weshalb man kalken würde. Dass man Rosen kalkt, war mir bekannt, daher hat mir das eingeleuchtet. Später wurde ich unsicher. Also, einfach sehr robuste Rosen, denn, eigentlich heißt es überall übereinstimmend. „Rosen stellen keine hohen Ansprüchen an den Boden“. Wie ich eine Rose auf den Balkon gepflanzt habe, die als Kletterrose anspruchsvoll ist, findest Du parallel in meinem Eintrag zur Ghislaine de Féligonde.

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