Brombeeren auf dem Balkon, in Pflanzkiste oder Topf. Anforderungen und Fragen

Klar geht das. Gar kein Problem, gute Ernte und keine aufgerissenen Beine inklusive: Brombeeren auf dem Balkon! Wenn ich dann von meinen Pflanzen berichte, so erregen die Brombeeren die größte Aufmerksamkeit und man spricht mich auf sie an; Besucher meines Balkons aber bemerken sie meist kaum und richten ihr Augenmerk auf anderes!
Und das ist schon das ganze Geheimnis: Brombeeren wachsen gerne nach oben. Aus den Augen, aus dem Manövrierkreis der empfindlichen Menschenhaut, und so teilweise aus dem Sinn! Wenn sie dann blühen und Früchte bekommen, dann genießt man sie. Selbst meine Theodor Rheimers, eine sehr wüchsige, natürliche und dornige Sorte. Ich hatte sie im ersten Jahr im Topf und denke, das hätte sogar im zweiten, oder gar dritten Jahr noch geklappt. Nun habe ich jedoch eine große Pflanzkiste genommen und ausgebaut auf etwa 40×30 cm Grundfläche und 45 cm Höhe. Da stehen zwei Exemplare drin!

Brombeere Theodor Reimers auf Balkon

So stark wächst sie nun im April. Der Lavendel soll sie von Schädlingen frei halten.

Die Brombeeren also nach oben wachsen lassen, mit den Haupttrieben vielleicht etwas in den Halbschatten, die Blütentriebe (Seitentriebe) dürfen dann in die Pralle Sonne ragen. Sie stetig und rechtzeitig dort anbinden, wo man es möchte, sonst brechen sie einem aus. Und regelmäßig schneiden. Dann funktioniert es auch mit den dornigen Sorten, die tatsächlich leckerer  schmecken, als die dornenlosen. Zieht man die Dornenäste aus dem Manövrierbereich der Menschen auf dem Balkon, dann tun die sich auch nicht weh. Beim Schneiden ggf. dicke Handschuhe tragen! Brombeeren tun verdammt weh, aber, bluten wird man normalerweise nicht. Hartgesottene können daher auch ohne Handschuhe schneiden.

Schneideregeln sind folgende:

1, Vor-vorjährige (also zweijährige) Triebe werden bis auf den Boden im Februar/März weggeschnitten! Eine perfekte und schöne Anleitung hier.

2, An den vorjährigen (also einjährigen) Trieben kommen die Brombeeren. Diese langen vorjährigen Triebe bekommen nämlich im Februar/März/April recht kräftige Seitentriebe an fast allen Blattkehlen. An ihnen kommen die Blüten und dann die Brombeeren.

3, Aus dem Boden kommen im März/April sehr sehr kräftige Triebe, die zu meterlangen Ruten werden können. Daher düngt man auch mit Beerendünger im April. Wenn die sehr dick und kräftig schon bald werden, kann man wohl folgendes versuchen, um den Wuchs besser im Griff zu halten und wohl auch mehr Ertrag zu erhalten: „… wüchsige Sorten bilden in manchen Jahren wenige, dafür sehr dicke Jungtriebe, die unerwünscht sind. Zeichnen sich bei einer Neutrieblänge von 60-70 cm bereits starke Triebdurchmesser ab, so sollten diese bodennah auf 2 Augen abgeschnitten werden: die daraus entstehenden neuen Ranken treiben dann schwächer.“ (Quelle). Dies habe ich aus der besagten Quelle; versucht habe ich es noch nicht.

4, Im Juni etwa bilden sich sehr lange Geiztriebe an dem neuen, bis dahin kräftigen Haupttrieb, der im kommenden Jahr die Früchte tragen wird. Entweder also wächst ein Haupttrieb plötzlich und unerwartet lang weiter, ist dabei aber plötzlich ganz spirrig und dürr wie nichts Gutes. Oder aber es gibt mehrere unschöne Seitentriebe in dieser Art. Wie man damit umgeht, da gibt es auch unterschiedliche Auffassungen. Ich habe mehrfach diese gelesen: Die Geiztreibe solle man nicht zu lang werden lassen. Entweder, man hält sie einfach etwas kürzer, oder man kürzt sie sogar bald auf 2-3 Augen ein. Ich habe damit sehr schlechte Erfahrung gemacht. Man KANN einfach die unglaubliche Energie, die die Triebe am Ende des Jahres haben, nicht bändigen! Wenn man die abschneidet, kommen nur noch mehr Seitentriebe; der Vergleich mit dem Januskopf ist hier unvermeidlich. Ich habe mit folgendem Vorgehen dagegen sehr gute Erfahrungen: Ich lasse den Trieb im Spätsommer und Herbst einfach gerade, also als ein einzelner Haupttrieb immer weiter wachsen. Offenbar ist das die Natur der Brombeere. Das wurde bei mir mehrere Meter lang, 3 mindestens. Ich führe den irgendwo lang, macht ja nix. Dann kürze ich ihm im frühen Winter schon etwas ein, um etwa 1/3, maximal die Hälfte. Nur, da er sonst bei den Herbstarbeiten nervt. Wenn man dann im Februar den Winterschnitt bei Brombeeren macht, dann kürze ich den kompletten Geiztriebteil ein, und sogar noch ein Stück in den ursprünglich noch kräftigen Bereich hinein, aber nur so 10, 20 cm. Das ist der beste Weg, denn es tut offenbar der Pflanze gut und dem Haupttrieb, an dem dann die Früchte kommen, auch.

5, Im Spätherbst ist es offenbar günstig, die abgeerntete Seitentriebe des Vorjahres etwas einzukürzen oder gar teilweise zu entfernen. Anscheinend kann sich die Pflanze so besser auf den Winter vorbereiten. Ganz entfernen darf man den Trieb aber nicht, das macht man im Februar/März. Siehe 1.

6, im Folgejahr dasselbe da capo!

Eigentlich sind diese Regeln ja leicht befolgt. Aber, es gibt schon einige trickreiche Dinge, bei denen man immer wieder und verlässlich keine Tipps von niemandem bekommt. Ich berichte daher regelmäßig über Brombeeren auf dem Balkon.

Noch drei spezielle Dinge: Meine Brombeere hatte dies Jahr seltsame Schädlinge. Es waren die Blatt mit Schädenvorjährige Blätter teilweise verschrumpelt. Ich habe begonnen, die abzuschneiden, und bin irgendwann auf eine kleine, kompakt gebildete, grüne Raupe gestoßen. Es müssen mehr gewesen sein; die übrigen waren anscheinend schon weg. Erst scheinen sie seltsamerweise von oben die Blätter anzufressen, sodass unten eine dann verbraunende Haut stehen bleibt, später essen sie dann offenbar richtige Löcher in die Blätter. Sie haben Blätter sowohl zusammengeklebt, als auch eingerollt, darin finde ich gelegentlich schwarzen winzigen Kot. Die Zusammengeklebten Blätter haben auch feinwebiges, weißes Gespinst.

Raupe auf BrombeereEin Spezialist, den man im Internet findet, und der gerne Tipps gibt, sagte, das seien aber keine Schmetterlingsraupen. Mehr wisse er nicht. Also, ich finde es nicht raus. Ich denke aber, dass das Abschneiden und Entsorgen aller befallenen Blattstände das Problem lösen wird.

Noch etwas zweites: Der Haupttrieb der stärksten meiner beiden Theodor Rheimers ist im vergangenen Jahr noch bis in den November hinein gut 5 Meter lang geworden und er geht so diagonal über den Balkon. Ihn zu schneiden nützte nichts, siehe Punkt 4 der Schneideregeln.  Wenn man dann an einem vorjährigen Trieb im Frühjahr bemerkt, dass er zum Äußersten Ende hin einfach keine anständigen Seitentriebe bekommt und, wenn die anderen Seitentriebe schon 10 cm lang sind, dann sollte man das Ende einfach wegschneiden. Nach meiner Erfahrung nutz da kein Warten, es kommt schlicht an solchen Grageltrieben nichts mehr nach:
Brombeere GeiztriebDer Trieb zeigt an seinem Ende auch heute noch keine Seitentriebe. Ein Zeichen dafür, dass er zu lang ist und gekürzt werden sollte. Warten nutzt hier nix.

Noch etwas drittes zu dornenlosen Neuzüchtungen? Viele Neuere haben, wie man mir sagte, einen weniger ausgeprägten und charakteristischen Geschmack, als die Theodor Reimers. Dennoch habe ich versucht, noch zwei der neuen anzupflanzen. Denn ich hatte irgendeine Seite eines Amtes in einem Bundesland gefunden, die überzeugend erklärte, dass die Loch Ness aus den 1990er Jahren ist und inzwischen gute Erfahrungen vorzuweisen hat. Navaho soll ebenso gut zu sein, und hat ein Paar Vorteile. Dornenlose sind auf dem Balkon handhabbarer, da sie kompakter wachsen. Geschmacklich fand ich jedoch beide Sorten nicht gut.

PS zur Aktualität: Ich habe alle Passagen dieses Artikels am 4. Juni 2016 und 17. März 2017 überarbeitet und meine neuen, inzwischen fundierteren Erfahrungen eingebracht. Denn da dieser Beitrag  täglich viele Treffer hat, machte ich mir Sorgen, ob ich jemanden mit irgendetwas, das ich inzwischen besser weiß, falsch beraten könnte. Daher die zwei grundlegenden Aktualisierungen, was ich sonst mit meinen Artikeln nicht mache, denn das Wort Blog kommt ja von Tagebuch.

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20 Gedanken zu “Brombeeren auf dem Balkon, in Pflanzkiste oder Topf. Anforderungen und Fragen

    1. Wenn Du anfängst, dann lass uns mal stetig austauschen, denn da gibt es auch viel zu lernen. Ich merke manchmal, dass ich auch naiv ran gegangen bin, was gut ist, aber nun kommen all die Fragen…! Ich habe mir nun kurzerhand eine Loch Ness UND eine ‚Navaho‘ ® angeschafft, denn ich möchte nun gerne alle drei vergleichen: Ist und bleibt die Rheimers die beste, oder sind die neuen auch in den Punkten, in denen es ihnen nachgesagt wird, gut? Also, es wird noch einiges zu berichten geben. Und ich freue mich sehr über Deinen Kommentar, denn ich dachte schon, aha, Brombeeren interessiert doch niemanden.

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      1. mach ich gern 🙂
        im moment hab ich „nur“ eine kleine himbeere und einen weingartenpfirsich… grad beim pfirsich tu ich mir auch noch sehr schwer mit dem richtigen schnitt, das ist alles nicht so einfach, wie man sich das am anfang vorstellt 😉

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      2. so und schon gibts neben der himbeere, die ich schon ein paar jahre habe, jetzt auch eine brombeere bei mir 😉
        hab sie bei einer raritätenbörse gekauft, leider hab ich keinen sortennamen, das kärtchen ist leider am heimweg verloren gegangen. es ist aber eine der neueren stachellosen sorten. bin gespannt, wie sie sich bei mir tut und wie ich mit dem schneiden klarkomme, da tu ich mir immer etwas schwer zu entscheiden, was denn nun weg soll und was nicht… auch beim pfirsich 🙂

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        1. Na, das wird ja nun spannend! Gerade hat mir wieder eine erfahrene Gärtnerin gesagt, die Dornenlosen würden nicht schmecken. Ich halte es trotzdem für ein Vorurteil, begründet in der relativ kurzen Zeit, die es solche Sorten gibt. Das Schneiden ist eigentlich wirklich einfach, ich habe die Schnittregeln hier kürzlich noch nach neueren Lektüren aktualisiert. Manche Dornenlose wachsen auch sehr langsam, haben dafür aber dennoch viel Ertrag. Also, wahrscheinlich wirst Du mit Deiner Sorte wenig Probleme haben. Meine Theodor Reimers ist mir in letzter Zeit fast über den Kopf gewachsen (-; aber ich habe es nach einem Umbau der ganzen Anordnung nun wieder im Griff. Schick doch mal ein Paar Bilder Deiner Brombeere, vielleicht kann man sie bestimmen. Viel Spaß damit (was ist übrigens eine Raritätenbörse? Ein Flohmarkt?); giorigo.

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  1. Oh, hätte ich das mal früher gewusst, als ich noch einen Balkon hatte. Ich habe ja alles gezogen, sogar einen Schlingknöterich, aber selten etwas Essbares.
    Das ist wirklich ein Jammer mit den alten Häusern. Hier ist es dasselbe, keiner restauriert mehr, selbst Häuser mit wunderschönen Fassaden werden zugunsten von gesichtslosen, neuen Mehrfamilienhäusern abgerissen. So kann man eine Stadt auch runinieren. Denkmalschutz ist sicher keine Lösung, aber ich finde, das Bauamt sollte mal mehr ein Auge auf das Gesamtwesen einer Stadt haben.
    VG
    Elke

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  2. Oh, Himbeere geht auch? Dann hat sich ja meine Frage ja fast erledigt. 😉
    Ich hatte nämlich überlegt, mir einen Ablegern von den Himbeeren zu nehmen, die von den Nachbarn zu uns rüberwuchern. Leider habe ich kaum noch Platz auf dem Balkon.
    Aber eigentlich ist das doch ein eindeutiges Zeichen. Oder? 😉

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  3. Klar, Himbeeren geht wunderbar!!! Ich habe dieses Jahr sehr, sehr viele, und es ist nur ein einziger Strauch gewesen, den ich hatte, der letztes Jahr mäßig getragen hat, dieses Jahr aber sowas von los geht! Ich gehe davon aus, dass ich mindestens 50 Früchte davon haben werde. Die Himbeeren wachsen unter den / unter die Brombeeren, das funktioniert ganz gut. Ableger machen die permanent, ich komme gar nicht nach, die irgendwo einzupflanzen. Himbeeren sind insofern etwas einfacher als Brobeeren, als das man die Schnittregeln lockerer handhaben kann. Schwieriger ist, dass sie chaotisch wachsen. Versuchs einfach, es ist ja nichts, das mit irgendeiner Gefahr verbunden wäre! Hier ein Bild, wie unglaublich schön Himbeeren als Knospen aussehen; das entschädigt dafür, dass die Blüten selbst nicht viel her machen: https://gehoelzbalkon.files.wordpress.com/2015/05/marienkc3a4fer-wo-ist-er.jpg
    Die Brombeerblüten dagegen sind ein Gedicht, letzten Sonntag hatte ich erst drei, gestern hatte ich 40 offen, heute konnte ich sie nicht mehr zählen.

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    1. hab einen link mit dem foto auf fb gepostet, bei mir zeigt es das auch an. bei dir aber scheinbar nicht? wenn du mir eine mailaddy gibst, kann ichs auch schicken, hab hier keine gefunden 🙂

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  4. Ich habe auch eine Brombeere auf dem Balkon. Leider sind noch keine Blüten zu sehen, sodass ich für das erste Jahr wohl ohne Beeren auskommen muss. Aber ich habe auch die Raupen auf den Blättern gefunden. Bei mir essen sie sie ganz auf. Hast du eien Idee wie ich die nachhaltig entfernen kann?

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  5. Hallo, Silke, schön, dass Du hier kommentierst!
    Ja, die Blüten kommen am zweijährigen Holz, das könnte der Grund sein, weshalb noch keine Blüten kommen. Pass gut auf auf den neu kommenden Trieb, er wird kommendes Jahr an neuen Quertrieben blühen.
    Du hast tatsächlich dieselben Raupen? Wenn sie die Blätter „ganz aufessen“ müssen es wohl viele sein. Eine nachhaltige Entfernung – nachhaltig auch im ökologischen Sinne – wäre, dass Du Dir die Zeit nimmst, alle Blätter wirklich genau abzusuchen, und alle Raupen von Hand abzusammeln – oder aber z.T. ggf. im Blatt zu zerquetschen. Das habe ich damals gemacht, als ich die Raupen entdeckte. Die gesamte Pflanze systematisch abgesucht, und befallene Blätter abgeschnitten und im Hausmüll entsorgt. Seitdem sind keine Raupen diese Art mehr gekommen.
    Herzliche Grüße, schlafloser Giorgio.

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