Roter Fächerahorn (Acer Palmatum) als Bereicherung und Kontrast auf dem begrünten Balkon. Anforderungen und Fragen

Seit 1820 wird er „bei uns kultiviert“, nun seit 2014 auch auf meinem Balkon! Ein rotblättriger Fächerahorn bildet einen effektvollen und abwechslungsreichen Pol in der Vielfalt der grünen Gehölze und Blumen, die man auf dem Balkon hat. Auch in den Zeiten, in denen wenige farbige Blühten blühen (was bei mir zurzeit der Fall ist), gibt es so einen Blickpunkt und Kontrast. Rot passt auch später zu allen Farben, zumal die meisten Sorten im Hochsommer einen Teil ihre Blatt-Farbe ins Tiefgrüne wechseln können. Nur für den Fall, dass ein Balkon auf ausgesprochen vielfarbige Blühten ausgelegt wurde, kann ein roter Ahorn zu viel werden. Ich bemühe mich, dass die Farben der Blüten von Blumen und Gehölze bei mir im roten Bereich bleiben (von Rosa über Rot zu Lila, auch orange, aber weniger Gelb oder blau), da passt auch das kräftige Bordeaux-Rot des Palmatum. Und, man überlege sich sehr genau ob man einen „schlitzblättrigen“ Ahorn, eine „Var. Dissectum“ wählt; ich rate davon ab. Diese Sorte ist fizzelich, sie kann eventuell wegen der überhängenden, breiten Form in Gärten und Parks zu Anwendung kommen, und zwar nur dann, wenn es um die Gestaltung eines größeren Arrangement geht, in das eben genau diese Form zu passen scheint. Aus der Nähe aber sind die dünnen fadenartigen Blattenden des Dissectum erstens nicht schön (was subjektiv ist), sie passen aber auch formal nicht zu den anderen Blattsorten, die auf dem Balkon unweigerlich nahe beieinander stehen (was schon etwas objektiver so festgestellt werden kann).

Fächerahorn und Johannisbeere, red-green of PankowRot und Grün! Perfekt, und die Seele erfreuend.

Wie hält man einen solchen Acer Palmatum auf dem Balkon? Es gibt ein Paar Dinge, die beachtet werden müssen, und nicht alle Antworten kann ich geben, da meine Erfahrungen erst ziemlich genau ein Jahr betragen. „Gehölz in den Gärten von Sanssouci“ schreibt knapp das, was man unbedingt wissen sollte: „Sehr langsamer Wuchs, verlangt gute Boden- und Lichtverhältnisse“. Der langsame Wuchs wird für einen „Acer Palmátum Thunb. `Atropurpureum“, der nicht weit der Villa Illaire, nahe des Südosteingangs zu Sanssouci, steht und um 1955 gepflanzt wurde, in dem genannten Führer mit „in 20 Jahren 180cm Höhenzuwachs“ angegeben. Das bedeutet für meinen Acer Palmatum, der 90 cm hoch ist, dass ich ihn noch gut 10 Jahre auf dem Balkon halten könnte. Dann erst wäre er zu groß und man müsste einen Freilandort für ihn suchen. Daher ist Acer Palmatum durchaus für den Balkon möglich! Die Lichtverhältnisse sind hingegen etwas heikler, nämlich in meinem Fall: Ich habe einen Südbalkon, der Ahorn bekommt die volle Dröhnung heißes Sonnenlicht, den ganzen Tag. Karel Hieke sagt dazu nur: „Sonnenhitze wird von Japanischen Ahornen (A. japonicum, A. palmatum usw.) […] schlecht vertragen.“ Eher in irgendwelchen Internetforen habe ich aber erfahren, dass sich der Ahorn daran aber auch „gewöhnen“ kann. Da ich Acer Palmatum seit 1989 innig liebe, kenne ich mehrere Exemplare, die ich seit Jahren beobachte und die in praller Sonne stehen! Darunter einer im Nachbargarten meines Vaters. Insofern halte ich es aus diesen Erfahrungswerten heraus für gut möglich, dass eine Gewöhnung stattfinden kann.

Was den Boden angeht, schreibt Hieke „Die meisten Acer-Arten gedeihen am besten in feuchten, nahrhaften und mittelschweren Böden…“ Staunässe wird nicht vertragen, das überrascht aber auch nicht. Er sagt noch, Acer Palmatum zähle zu den Arten, die kalkhaltige Böden nicht schätzen (das kann man ja mal im Auge behalten, da man sich auf dem Balkon die Erde ja aussucht). Soweit die Theorie.

In der Praxis muss man dieses wertvolle, ein wenig empfindliche Gehölz gut beobachten und darauf achten, dass es nie zu irgendeiner Art von Staunässe kommt, und vielleicht in den ersten Jahren ein wenig schonen, falls man bemerkt, dass es zu Sonnenhitze kommen könnte. Zu diesen beiden Empfindlichkeiten im Folgenden meine Erfahrungen.

Bei mir sah’s letztes Jahr so aus, dass mein Exemplar im Mai noch absolut gesund war, im Juni habe ich es aus den Augen verloren, im Juli aber begann eine Fleckenbildung (helle Flecken) an den Blättern, die ich wohl hätte ernster nehmen sollen:

Acer Palmatum, Blattflecken, Juli 2014

Ende August war das Bäumchen vollkommen grün und die Blattspitzen begann zu vertrocknen:

Acer Palmatum mit trockenen Spitzen

Aber, wenn ich mich recht erinnere, war er erst Ende Oktober irgendwann vollkommen kahl, denn vom September habe ich noch einige belaubte Bilder. Ich habe bemerkt, dass die Blätter einfach vertrockneten, es gab also keine schöne Herbstfärbung und der Baum konnte wahrscheinlich auch die Nährstoffe nicht gut aus den Blättern zurückziehen.

Welchen Grund nun gab es dafür? Ich muss so beginnen: Mich hat der Verlauf am Ende sehr erschrocken, da das Bäumchen wirklich tot aussah im Winter. Ich habe ihn dann im Spätherbst umgetopft, und dabei ist so viel Erde von dem Wurzelballen abgefallen, dass ich das Gefühl hatte, die Wurzeln waren wirklich verfault. Zum Schluss hatte ich nur noch einen winzigen Ballenrest von etwa 10 cm tiefe überhaupt stehen lassen, von dem vielleicht sogar noch alles abgefallen wäre! Möglicherweise hatte ich also Staunässe gehabt und wirklich eine fortgeschrittene Wurzelfäule, und möglicherweise war das der Grund für die Probleme. Daher habe ich ihn dann in einen schönen, großen Topf mit einer sehr soliden Drainschicht auf dem Boden getan (große Blumentopfscherben, 4 cm hoch gestapelt, in einem 38 cm hohen Topf).Fächerahron Acer Palmatum, Frühling

Dieses Jahr ist er so gesund gekommen, er blüht sogar kräftig, dass ich glaube, nun geht alles gut!Acer Palmatum mit blühte

Was könnte aber der Grund für den Verlauf letztes Jahr sein? Ich habe im Internet einige Hinweise für Wurzelfäule bei zu großer Nässe gefunden. Dann gibt es noch eine Möglichkeit, ich hatte das Gefühl, dass die Probleme begannen, als der Ahorn an einem verlängerten Wochenende von der Gieß-Diensthabenden nicht genügend gegossen worden war, und so Hitze und Wassermangel zusammen kamen. Seitdem schien das Problem sich erst zu definieren. Das würde auf schlecht vertragene Sonnenhitze hindeuten. Schlimmeres habe ich ausgeschlossen. Auf jeden Fall habe ich dann für Feuchte vorgesorgt: Ich habe einen erheblich besseren und größeren Topf genommen mit einer ausgezeichneten Entwässerung, während ich letztes Jahr ausgerechnet für diesen Baum einen Topf hatte, dessen Loch seltsamerweise an der Seite war (man will ja nicht immer alles wegwerfen, was man erbt…!) Dann würde ich im Juni/Juli, wenn die Hitze sehr groß ist, vielleicht gelegentlich, und vor allem bei kurzen Reisen, den Acer in einen leichten Schatten (Halbschatten) stellen.

Zum Schluss zum Schnitt: Ahorn blutet stark und lange, daher jeden Schnitt mit einem deutlichen Abstand zur nächsten Astgabelung anlegen. Ich habe folgendes irgendwo gelesen, und es leuchtet mir ein: Acer Palmatum sollte man am besten gar nicht schneiden, da er einen natürlichen Wuchs hat, der kaum beeinflussbar ist. Auf dem Balkon werde ich irgendwann schneiden müssen, damit er etwas knapp bleibt. Der Schnitt, den meine Baumschule mir aber „mitgeliefert“ hat, gefiel mir letztes Jahr gar nicht: Da wuchsen zwei Haupttriebe eng ineinander und bildeten eine etwas verquaste, enge Krone. Ich habe eine der beiden radikal rausgeschnitten, als ich glaubte, der Acer sei wohl tot. Sonst hätte ich das nicht gemacht. Ich würde empfehlen, einen kleinen Acer Palmatum von einer Baumschule speziell schulen zu lassen, der von Anfang an nicht beschnitten wird! Wer sich´s leisten kann. Sonst: Schnittregeln, da kann ich noch nicht so viele Tipps geben. Nur, dass der große Acer Palmatum beim Nachbarn meines Vaters von Gärtnern einmal ziemlich brutal und unpassend geschnitten wurde, dass das im ersten Jahr grässlich aussah, im zweiten aber war es nicht mehr zu sehen. So schlimm kann es also nicht sein, wenn man denn schneiden muss.

Was ich gerne wüsste über den Fächerahorn: Warum sagt eigentlich niemand „Palmahorn“? Was ist der Unterschied zwischen „Purpureum“ und „Atropurpureum“? Ich glaube, das meint auch Unterschiede im Wuchs?, obwohl ich das nicht verstehe, beides bedeutet für mich als Lateiner einfach „rot“ oder sogar „rot geworden“? Wenn ich meinen Ahorn bezeichnen möchte, dann nenne ich ihn wohl „Acer Palmatum Purpureum“, ist das richtig? Oder meint das schon einen anderen Wuchs? Aus Verlegenheit sage ich meist: „Mein roter Acer Palmatum“.

Literatur:

Harri Günther, Gehölz in den Gärten von Sanssouci. Dendrologischer Führer, 3. Auflage, Potsdam-Sanssouci 1984 (gibt’s inzwischen auch in voll überarbeiteten Nachwende-Auflagen), S. 11 und S. 60.

Karel Hieke, Praktische Dendrologie, Berlin 1989, Band 1, S. 113 -133.

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