Alte Sorten, alte Samen, viel Vielfalt. Sommerfest des „VERN e.V.“ in Greiffenberg

Heraus aus der Stadt – mal wieder – hinein in die Uckermark mit Seen, hügliger Landschaft (was ich als Norddeutscher so „Berge“ nenne). Diesmal nach Greiffenberg, nahe Angermünde, wo der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V. zeigt, welche ungewöhnlichen und schmackhaften Pflanzen hier gezogen, gewählt, gezüchtet und natürlich samenmäßig erhalten und verbreitet werden.Kuchen beim VERN in Greiffenberg

Auf solche Feste sollte man ja an sich sowieso immer fahren, da es hier urige, traditionelle und schlicht gute Dinge in Hülle und Fülle gibt, wie dieser Kuchen von Andrea Kühn und ihrem Mann, die hier in dem alten Hotel „Deutsches Haus“ in der Breiten Straße eingezogen sind, Obst ziehen und ganz wunderbare Pflaumenmarmelade und Apfelsaft daraus machen.

Der VERN hat einiges parat, was das Herz des Gartenfreundes so begehrt! Wenn ich auch nicht ein Gehölz gesehen habe, so weiß ich anhand der Tomaten doch, wie wichtig die Zucht alter Sorten ist. Der VERN bezieht sein Saatgut von staatlichen Institutionen, und sorgt dann durch Vermehrung und Vekauf dafür, dass diese für den Normalbürger zugänglich werden.Reisetomate überreichen, Überreich!

So einfach sieht das dann aus, wenn man die Samen in einem schönen, sachlichen Briefchen von den netten Mitarbeitern überreicht bekommt! Steckt natürlich aber einiges dahinter!Tomatensamen entnehmen VERN

So werden die Tomatensamen hier selbst vergoren, was ja gar nicht so einfach ist, wie ich in einem Beitrag beschrieben habe.Tomatensamen gewinnen VERN
Tomaten-Samen im Bulk gewinnen!

Da sieht man auch, dass es sich lohnt, zu solchen Menschen hin zu fahren, die das ständig machen. Auf was trocknet man z.B. Tomaten-Samen, damit sie später nicht daran festkleben? Zeitungspapier ist sehr ungünstig, obwohl der BUND das empfiehlt. Das klebt dann daran wie Pech! Also nimmt man eher Kaffee-Filterpapier oder sogar Laborfilter. Und, wenn man fürchtet, dass die Gärung zu lange nicht einsetzen könnte, tut man etwas Zucker in das Wasser mit hinein!
Erhalter beim VERNAuf einem Grundstück an einem Südhang, der sich zu einem kleinen süßen Bach, der Sernitz hin, absenkt, werden die vielen Pflanzen gezogen. Hier zeigt ein engagiertes Vereinsmitglied eine Distel, eine Vorform der Artischocke, eine „Gemüse-Artischocke“ Man beachte die zur Blüte passenden Hemdfarbe des Züchters!!

Das Ziehen hat allerdings weniger den Zweck, dass man das dann Essen würde, sondern eigentlich, Samen zu gewinnen! Dass jemand von eventuell übrig bleibenden Blättern oder dem Fruchtfleisch mal was isst, ist nicht ausgeschlossen, aber nicht das Ziel.
Altmärker Braunkohl

Für mich neu war, wie genau man daher das Ziehen der Pflanzen nehmen muss. Dass nämlich das Ziehen der Pflanzen zur Samengewinnung faktisch zu Zuchtwahl wird! Verstanden habe ich das bei diesem Altmärker Braunkohl. Hierüber sieht man im Bild die gewünschte Form, von der man die Samen nehmen wird. Er ist nämlich schön kraus, so, wie es für diese Form Jahrhunderte richtig war. Altmärker Braunkohl, zu wenig kraus

Von diesen Exemplaren hierüber wird gnadenlos kein Samen genommen werden. Der Grund? Zu wenig Kraus! Das nennt man „Erhaltungszucht“, wenn nur die für eine Sorte bekannten Eigenschaften als Samen weiter gegeben werden.

Das alles erfuhren wir bei einer wunderbaren Führung. Auch, dass dieser Braunkohl einer der besonderen Fälle war, bei denen jemand kürzlich wirklich in einem Garten in der Altmark diese alte Sorte entdeckte. Daher wird sie aus diesem lebendigen Stamm der Erhaltung nun in Greiffenberg nachgezogen.Blühender Salat Struwelpeter

Andere Sorten, wie dieser Salat „Struwelpeter“, der nicht ohne Mühe zum Blühen gebracht wurde, wird als Samen von Bundesstellen eigekauft, bevor sie vermehrt werden. Eines aber bewahrt mir als Kunden die Romantik, die ich  brauche: Samen, die ich beim VERN kaufe, sind wirklich in Greiffenberg gezogen und ausgewählt.Gewürztargetes

Dabei müssen es nicht konstant alles die siepersapersuper seltenen Sorten sein. Es kann auch diese Dufttargets sein, die es mir aber angetan hat, da sie eine leicht in Richtung Majoran gehende Duftnote von Thymian hat.
Wichtig ist für den Verein halt nicht in jedem Falle, dass die Sorten sehr selten sind. Man setzt sich auch dafür ein, dass die Gesetze für den Verkauf von Samen so beschaffen sind, dass seltene Sorten auch leichter in normalen Handel, vielleicht gar im Baumarkt, erhältlich wären. Das wäre ein effektiver Schritt für die Sortenvielfalt in unseren Gärten.
Ysop Hyssopus Officinalis - nur Echt mit der Hummel!Was ich nun als Sorte noch nicht kannte, ist diese Pflanze, die die Hummeln so sehr anlockt, dass ich sie gerade dadurch entdeckte und lieben lernte: Das ist Ysop (Hyssopus officinalis).

Zu berichten gibt es wirklich  noch einiges! Daher:

(Fortsetzung folgt!)

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3 Gedanken zu “Alte Sorten, alte Samen, viel Vielfalt. Sommerfest des „VERN e.V.“ in Greiffenberg

  1. Spannend, wie das alles so abläuft. Vieles ist mir absolut neu. Auch diese Form der Saatgewinnung. Vergären ?! Ich dachte, die holt man raus und fertig ! PS mir gefällt das Hemd zu den Disteln oder die Disteln zum Hemd 😉 ?

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  2. Hallo, ja, Tomatensamen vergärt man am besten, oben ist meine Beschreibung verlinkt. Aber: Es geht auch einfach so, fürs nächste Jahr, hält aber nicht so lange. Da muss man bedenken, dass gerade in diesen Jahren ja die Gefahr besteht, dass Samen quasi verboten werden, durch das Saatgutgesetzt. Dann kann man heilfroh sein, wenn man korrekt gewonnene (nämlich vergorene) Tomatensamen zuhause hat, die noch gut 10 Jahre keimfähig bleiben. Nach allem was ich weiß, darf man die dann auch noch ziehen, wenn man sie eben nicht kauft oder verschenkt. EInfach so genommene Samen halten nur 2 Jahre! Also, Vielfalt bewahren heist Samen vergähren!

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