Eine große, langlebige Pflanzkiste für den Balkon bauen – ohne Plastik! Schritt-für-Schritt-Anleitung

Eine Pflanzkiste, die ohne Plastikfolie dennoch lange hält, ist, ganz einfach gesagt eine Pflanzkiste die mit einer zweiten Holzbrettschicht ausgeschlagen, also: aufgedoppelt ist, statt mit Plastik. Das führt dazu, dass die äußere, tragende, statisch relevante Holzschicht sehr lange nicht beginnt, zu verrotten. Ich denke, fünf Jahre hält so eine Kiste locker, wenn nicht länger.

Plastik zu vermeiden, ist ein wichtiges Ziel, den es ist für die Natur schlicht nicht gut.

Ich habe Erfahrungen mit solchen Kisten, denn ich habe bereits einmal eine alte Brötchenkiste mit Holzbrettern ausgeschlagen und bemerkt, dass die Haltbarkeit dadurch erheblich zu steigern ist. Daher ist das für mich die Lösung, eine Ausschlangung mit einem gänzlich wasserdichten Material wie Plastik zu umgehen, ohne eine Einbuße in der Langlebigkeit zu haben. So erhält man eine atmende Kiste, bei der Schimmelbildungen hinter den dichten Plastikschichten ausgeschlossen sind – Plastikfolie nämlich führt zu einer schlechten Biologie in der Kiste, die der Erde und den Wurzeln schadet.

Daten:
Breite: 53 cm
Tiefe: 83 cm
Höhe: 43 cm
Gewicht: 23 kg (leer)
Zeitaufwand: 11-14 Stunden
Fertige Kiste, schon montiert
Bild der fertigen Kiste, auf dem Balkon montiert, zur Montage aber ohne Ausschlagung

Wie baut man so eine Kiste?1, Materialien für Kiste
Für die Seitenwände der Kiste brauchts eine ganze Reihe Bretter, ich habe hier welche mit den Kant-Maßen 7 x 2 cm. Sie werden später horizontal stehen. Für sehr schöne Ecken – bei mir nur eine, die, die immer stark sichtbar sein wird – sollte man die Bretter auf Gehrung schneiden, dafür braucht man also eine solche Säge, steht hier oben in blau. Dann benötigt man etwas stärkere Bohlen für die Eckbildung, idealiter Laubholz. Sehr viele Spak-Schrauben – pro Ecke verschraube ich hier locker 40 Stück. Der Boden wird später von unten eingesetzt, nachdem man die Seitenwände als eine Art Rahmen gebildet hat. Vorbild für dieses ist für mich eine alte Kiste, die ich im Keller stehen habe:Vorbild für Pflanzkiste
Man beginnt damit, die Hölzer für die Seitenwände vorzubereiten, während ich dazu neige, die Eckbohlen später Stück für Stück zuzusägen, wenn ich sie brauche, also wenn ich Erfahrungen gemacht habe.
Wie macht man das nun mit der Gehrung?
2, auf Gehrung schneiden - wieDas Längsmaß Außen einer Seite an dem Brett aufzeichnen, und dann so sägen, dass dies Maß die Spitze bildet. Auf dem Bild so zu sehen.

Man plane sehr genau, wie man die Ecken bilden möchte, das kann jeder nach Situation und Vorlieben selbst entscheiden.
3, Ecklösungen planen
Dazu habe ich ja nur eine Ecke, die auf Gehrung geschnitten ist, wozu die ankommenden Bretter auf beiden Seiten der Ecke auf Gehrung geschnitten sein müssen, und alle übrigen sind bei mir danach geplant, welches nun an welches Brett geschraubt werden wird, und wie lang es also sein muss, um die Außenmaße in Addition zu ergeben. Im Bild hierüber sieht man diese Planungsphase, die ich mir gerne praktisch auflege. Im Kopf oder auf dem Papier zu planen, da bin ich schlecht drin.
4, Hölzer vorbereiten
Also hat man am Ende vier Sorten von zugeschnittenen Hölzern. Hier sind es links zwei mit Gehrung, und rechst zwei ohne. Damit kann man erst einmal die vier Seiten der Kiste beginnen zu bauen, das ist schon einmal genug Arbeit.5, die erste Ecke einer Kiste, des Rahmens Kopie

So sieht das bei der Herstellung der ersten Ecke aus. Unten sieht man die fünf auf Gehrung geschnittenen Bretter. Fünf Bretter bilden also bei mir die geplante Höhe der Kiste von 43 cm, also immer ein Brett von 7 cm höhe und viermal ein Abstand von 2 cm dazwischen. Diesen Abstand von 2 cm gewährleiste ich, indem ich abgefallene Brettabschnitte zwischen stecke, die als Abstandhalter dienen. Das wird sich im Folgenden immer wieder durchziehen! Die fertig hingelegten Bretter fixiere ich vor dem Verschrauben mit einer Schraubzwinge (links) am Arbeitstisch; zwei Schraubzwingen wären besser gewesen.

Dann kann ich das alles von der Rückseite her festschrauben.
6, die zweite Ecke vorbeiten
Hier sieht man links schon die fertig verschraubte erste Ecke. Bei dieser habe ich eine schlechte Entscheidung gefällt: Ich habe dort ein recht grobes Holz für Dachlatten, verwendet, in dem die Schrauben z.T. durchgedreht sind. Für die zweite Ecke habe ich daher ein viel solideres und auch breiteres Holz genommen, wie man es links  hervorstehen sieht. Dort ist es aber nur ein Unterlege-Holz als Arbeitshilfe, das dort aber noch nicht montiert wird.
Rechts sieht man wieder die Abstandhalter. Unter den Enden rechts liegt schon das fertig zugeschnittene Holz der Ecke, sowie die schon in die Vorbohrungen eingesteckten Schrauben. Alles ist mit der Schraubzwinge fixiert. Da ich keine zweite hatte, musste ich beim Festschrauben der ersten Schrauben mit der Hand die Bretter horizontal zusammen drücken, denn sie hatten hier die Neigung zu spreizen, also über 2 cm Abstand zu haben.
7, die zweite Ecke bereit zur Montage
Dann ist das zweite Eckbrett mit den Brettern der Längswand schon fest verschraubt. Nun ist die zweite Ecke freizustellen die leichteste Übung der ganzen Kiste:
8, zweite Ecke fertig

 

 

 

 

 

Sie müssen einfach mit je zwei Schrauben je Brett an das vorhandene Eckbrett angeschraubt werden. Fertig! Nun sind also schon drei Seiten montiert. Rätsel der Mathematik, müssen nun aber noch zwei Ecken montiert werden! Dazu muss nun erstmal die letzte der Längswände komplett vormontiert werden:
9, letzte Wand vorbereiten
Dazu braucht man also wieder Abstandhalter, und muss beim Hinlegen der Eckbohle genau darauf achten, dass sie zur Schmalseite hin (im Bild nach unten) bündig mit den Bretterenden steht, und auch für die später einzubringende Bodenplatte der Abstand richtig ist.
10. Verschraubung Rückseite
So ist die letzte Rückwand fertig, hier ein Wort zu der Verschraubungsart. Ich denke, vier Schrauben pro Brett und Ende ist wohl etwas viel. Ich habe das gemacht, da ich die Kiste später an der Wand so anschraube, dass eine der Ecken schwebt, d.h. keine Stütze darunter hat. Damit die Kräfte von dort gut auf die befestigten Teile übertrage werden können, habe ich die Vierfachverschraubung gewählt, damit gerade die dabei entstehenden Quer verlaufenden Kräfte, die zu einer Verdrehung des belasteten Objekts neigen, also eine Art „Verscheerung“ bilden (Torsion), gut abgefangen werden. Aber, ich denke, zwei, sicher auch dreieckig angeordnete drei Schrauben hätten dennoch unbedingt genügt. Ich habe hier also übertrieben. Eigentlich finde ich Ökonomie der Materialen wichtig. Aber, Schrauben mit dem Akkuschrauber versenken macht halt einfach mal so einen Spaß…!!!
11, Rahmen komplett
Nun konnte der Rahmen komplettiert werden. Ich hatte das Glück, dass die beiden Schmalseiten der Kiste etwas nach Innen neigten, und so die letzte Außenwand in sie eingezwängt werden konnte, um sie dann leicht zu verschrauben.

Allerdings hatte ich offenbar die Eckbohle falsch an die letze Außenwand montiert: Die Gehrung sah gar nicht schön aus!:
12, Umpassend gefügte Gehrung
Also blieb mir nichts anderes übrig, als alle Schrauben wieder zu lösen. Dann habe ich erstmal die Bretter einzeln an der Gehrung direkt miteinander verschraubt, und schließlich alles erneut miteinander verbunden.
13, Optimierungsversuch Gehrung
Viel besser ist es dabei nicht geworden, aber doch besser. Bei der letzten Verschraubung dieser Art habe ich endlich noch ein Bild gemacht, wie ich die Schrauben in eine schöne Linie zueinander gesetzt bekommen habe:
14, Schrauben regelmäßig setzen
Ich habe mit einer Schraube eine Linie, auf der ich die Schrauben setzen wollte, entlang geritzt (hier unten), und dort auch etwas vorgebohrt. Aber, durch meine ganzen Unüberlegtheiten sah das hinterher doch recht unschön verschraubt aus, das könnte der nächste, der so eine Kiste baut, schöner machen, als ich.
15. Gehrung nicht so schön
Nun kommt der Boden in die Kiste, in Querrichtung verlaufende Brettchen werden an den Enden der Eckbohlen verschraubt, dazwischen kommen dann längs laufende Bretter.
16, Boden einer Kiste
Das Ergebnis:
17, Boden Konstruktion
Es entsteht ein Boden. Ich habe teilweise deutlich längere Schrauben in die Bohlen geführt, denn der Boden wird nicht auf dem Balkonboden stehen, sondern  mit Abstand, sodass der Boden tatsächlich das Gewicht der Erde tragen und ableiten muss. Von Innen schließlich die letzten Bretter:18, Kistenkorpus fertig

Und damit ist der Corpus der Kiste fertig! Der Boden hat, wie man sieht, Löcher in regelmäßigem Abstand, um Wasser abfließen lassen zu können. Tonscherben als unterste Schicht optimieren dies später. Nun muss der Corpus aber noch ausgeschlagen werden, mit Brettern. Da ist es immer wieder so schön, dass man meist irgendwelche alten Bretter findet, die schon recht gut passen:
19, Ausschlagen Pflanzkiste, Zufälle gibts, die gibts gar nicht
So brauchte ich sie nur noch einmal längs zu schneiden, was mit der Handsäge auch schon Arbeit ist.
20, Kiste Fertig!
Und so ist die Kiste fertig: Corpus aus horizontalen Brettern, über vertikale Eckverbinderbohlen kräftig verschraubt, dann ein Boden als ein Rost ebenfalls an den Unterseiten der Eckbohlen befestigt. Schließlich an den vertikalen Innenseiten mit ungestrichenem Resteholz ausgeschlagen, da gerade dort mal Nässe eine Verrottung verursachen könnte. Die noch zu sehenden zwei kleineren Abstände werde ich noch mit Leisten ausschlagen, die ich mir noch suche, im schlimmsten Falle doch auf Maß kaufen muss. Die Ausschlagung wird nur mit jeweils einer Schraube pro Brett zum Transport angeheftet. Der Boden trocknet nach meiner Erfahrung leicht von unten aus, zumal da auch wenig Wasser wirklich noch ankommt, bei einer 40 cm tiefen Kiste.

WIE GEHT ES WEITER?
Die Montage der Kiste an der Wand des Balkons  beschreibe ich HIER, das Abdichten und die Msichung beim Füllen mit Erde HIER.

Zu guter letzt die Frage: Warum kein Plastik?
Plastik schadet unserer Welt in einem Ausmaß, das auch mir sehr lange gar nicht klar war. Aber Sie haben sicher schon einmal gehört, dass Plastik in Form von Mikroteilchen inzwischen ein gravierendes Phänomen in den Meeren ist, und nun sogar beginnt, in unseren Flüssen und Seen Einzug zu erhalten. Leider ist die Sache tatsächlich so,: „Jeder, der Plastik – in welcher Form auch immer – konsumiert, ist ein potenzieller Verschmutzer der Meere.

Nun ist man ja oft auch einfach hilflos, was man machen soll. Auf dem Balkon, so finde ich, kann man aber sehr aktiv daran mitwirken, kein Plastik zu verwende, keine Plastik-Blumentöpfe, keine Plastik-Stöcker und Bindfäden, das ist einfach mal nicht notwendig!

Weitere Info.

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3 Gedanken zu “Eine große, langlebige Pflanzkiste für den Balkon bauen – ohne Plastik! Schritt-für-Schritt-Anleitung

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