Welche Erde für die Pflanzkiste? Das Befüllen mit nährstoffreichem, natürlichem Substrat!

Bau der Pflanzkiste HIER, Aufstellen / Anbringen HIER

Zwei Dinge sind mir beim Füllen des Pflanzbehälters wichtig:
1, Die Kiste muss innen ausgeschlagen sein, um lange zu halten.
2, Die Erde soll sehr nährstoffreich sein, damit es viele Pflanzen in der Kiste gut haben.
Beide Punkte möchte ich mit der größtmöglichen Verantwortung für die Natur umsetzen – das ist gar nicht so schwierig!

1, Das Ausschlagen

Schon beim Bau der Kiste hatte ich ja eine Ausschlagung im Inneren vorgesehen, die ohne Plastik auskommt. Sie besteht schlicht aus einer Aufdoppelung mit Holzbrettern im Inneren.
Dass das lange hält, kann ich an dieser Kiste zeigen, die ich vorletztes Jahr gebaut habe:
Erfahrungen mit der Ausschlagung von KistenEs handelt sich um eine alte Brötchenkiste aus DDR-Zeit, die ich nach oben noch vergrößert habe und mit Brettern ausgeschlagen. Man sieht, dass es wenige Stellen gibt, an denen nach etwa 18 Monaten die Bretter im Inneren beginnen zu verrotten. Die Bretter im Äußeren, die ja für die Stabilität der Kiste relevant sind, sind aber vollkommen trocken und unversehrt. Man könnte, wenn man bemerkt, dass die äußeren Bretter anfangen, nass zu werden, die Kiste sogar ausräumen und neue Bretter ins Innere tun. Anschließend würde man die Kiste neu befüllen. Dann könnte sie sehr lange halten.

Bei meiner jetzigen, selbstgebauten und stabileren Kiste, besteht die Ausschlagung aus breiten Regalbrettern, die ich übrig hatte.
Kiste mit Holz ausgeschlagen
Ich achte darauf, dass die Spalten zwischen den Brettern wirklich dicht sind. Daher schlage ich schmalere, aber gut ausgesuchte Leisten mit dem Hammer auf Spannung dazwischen. NACHTRAG: Das Einschlagen auf Spannung hat sich  nach einigen Wochen als falsch herausgestellt: Die Bohlen zum Ausschlagen quellen mit dem Wasser auf, dann haben sie sich bei mir nach Innen hin gedrückt. Das ist alles nicht gut, die Erde wird komprimiert, die Kiste womöglich auseinander gedrückt. Also, locker einsetzen, mit etwas Abstand, der wird durch das Aufquellen geschlossen.
Man sieht aber, dass ich die wichtigen Bohlen als die konstruktiv relevanten Eckverbinder nicht geschützt habe. Das hätte ich eigentlich tun müssen. Es war eine Gedankenlosigkeit von mir, es nicht zu tun. U.U. muss ich nun nach ein Paar Jahren von Außen die Ecken wieder verstärken. Ich könnte aber auch bald auf Maß zugeschnittene Schichtholzbretter von oben einschlagen, passgenau zwischen Eckbohlen und Erde.
Wichtig war mir, auf Plastik als Ausschlagungsmaterial zu verzichten, da es in der Natur so viele Nachteile hat.

Entsprechend funktioniert meine Drainage auf dem Boden der Pflanzkiste auch nach dem Vorbild der Lochabdeckung in Blumentöpfen: Ich stelle eine Art Drainage aus Blumentopfscherben her. Ob das länger hält, damit muss ich Erfahrungen machen.
Bodenritzen Pflanzkiste mit Ton abdecken
So geht’s los: Ich habe einen großen Blumentopf zerschlagen und lege mit seinen Scherben die Ritzen zu, insbesondere dort, wo die Löcher durchgehen, also die untere, querlaufende Bretterschicht auch ihre Aussparungen hat. Die Scherben lege ich mit ihrer Konkave nach unten auf. Auf dem Bild hierüber kann man noch ganz gut sehen, wo ich Scherben hinlege.
Drainage und Abdeckung in Pflanzkiste
Und hierüber ist der komplette Boden mit Scherben bedeckt. Ich möchte mit ihnen verhindern, dass Erde durch die Ritzen rieselt. Zudem soll am Boden ankommendes Wasser so möglichst schnell ablaufen, und sich nicht stauen, damit der Boden auch bald wieder abtrocknet. Zum schnellen Ablauf dienen die Hohlräume unter den Rundungen der Scherben.
Besser wäre es gewesen, noch eine richtige Drainschicht aus zerstoßenem Ton über die Topfscherben zu machen. Dafür hatte ich mir extra kaputte Dachziegel aus einem Container geholt.
Dachziegel als Drainage
Die Dachziegel waren aber so viel Schwerer als die Töpfe, da das offenbar dichterer Ton ist, dass ich mich dagegen entschieden habe.

2, Die Erdmischung
Erde direkt auf Drainage
Die erste Kompost-Erde lege ich in handgerechten Portionen vorsichtig auf die Scherben, damit diese sich nicht bewegen. Das mache ich so die ersten 10 cm, bis die ersten Tüte Kompost von der Späth-Baumschule leer ist. Sie wog 16 Kg, daher kann ich das Gesamtgewicht der Kiste (Holz, Erde, angemessene Wassermenge) nun schon auf etwa 130 kg abschätzen.
Espresso Kaffee als Dünger
Nachdem die erste Tüte Kompost drin ist, kommen nun natürliche Düngemittel in die Kiste: Zunächst Kaffeesatz, hier Espresso-Kaffe-Satz.
Pferdemist Pferdeäpfel als Dünger in Pflanzkiste Balkon
Dann kommt mit Komposterde gemischter Pferdemist hinzu. Den habe ich im November und Dezember gesammelt und mit Kompost zusammen zerbröselt und in Kisten gelagert, damit er etwas altert. Ideal würde man Pferdemist ein Jahr lang lagern vor der Verwendung; dazu habe ich auf dem Balkon über den Sommer keine Chance, aus hygienischen und aus Geruchsgründen.
Ich habe bemerkt, dass es auch schlicht etwas zuviel Pferdemist werden könnte, daher habe ich nur eine Weinkiste voll Pferdemist-Kompost-Mischung verwendet, und von der zweiten, die auf dem Bild hierüber zu sehen ist, nur noch das überstehende.
Nährstoffe Nutrition Erde Soil Kaffee, Hornspäne, Pferdemist
Schließlich kommen Hornspäne hinzu. Zwei bis drei EL locker.
Nun fülle ich die Kiste schon zu 2/3 mit der übrigen Komposterde auf.
Das alles wird dann ordentlich kräftig mit den behandschuhten Händen vermischt. Was ist von dem Ergebnis zu halten?  Es sieht so aus:
Naehrstoffreiche Balkonerde selbst gemacht
Die gewonnene Substratmischung ist sehr Nährstoffreich. Es sind natürliche Düngemittel, Pferdemist kann ein bis zwei Jahre düngen, Hornspäne gelten als Langzeitdünger. Ich möchte so auf künstliche Düngemittel verzichten können. Hier werde ich mit Brennnesseljauche düngen und jährlich etwas frischen Kompost aufbringen. Ich möchte sehr viele Pflanzen in die Pflanzkiste setzen, wobei ich nur auf deren Wurzeleigenschaften achte (nicht nur Flachwurzler, wie Klematis, sondern auch Tiefwurzler, wie Rosen). Daher denke ich, dass diese sehr nährstoffreiche Erde gut ist. Ob ich aber so schon eine Art Überversorgung provoziere, dass kann nur die Erfahrung im kommenden Jahr zeigen. Ich habe schlicht im Internet keine überzeugenden Anleitung für eine nährstoffreiche Pflanzkistenerde gefunden, daher habe ich hier alle meine Erfahrungen der letzten Jahre zusammengeworfen, und schaue, ob es damit klappt.

Mit der Komposterde, die die Späth-Baumschule anscheinend von der BSR bezieht, bin ich nicht so wahnsinnig zufrieden. Man sieht in dem Bild hierüber beispielsweise rechst, dass da etwas Plastikplane mit drin ist; diese Erde enthält immer mal wieder Plastikteile, wer weiß also, was da noch so alles drin ist. Ich kaufe aber sehr ungerne jede andere Art von Erde, da sie nahezu immer mit Torf mit drin ist. Eine richtige Lösung kenne ich nicht.
Rosenerde in Pflanskiste als BereichBeim weiteren Auffüllen nach oben hin beachte ich nun noch zwei Besonderheiten: Rechts soll eine kräftige, weiße Buschrose hin. Daher habe ich dort einen Haufen spezieller Rosenerde von Cuxin (der ich eigentlich misstraue, aber, manchmal tut man sowas einfach) eingebracht. Man sieht den abgegrenzten Haufen rechts.
Kiste befüllt und provisorisch bepflanzt
Zum Schluss kommen die ersten Pflanzen hinein, teilweise erstmal provisorisch, denn die genaue Verteilung ist noch nicht ganz festgelegt. Das Bäumchen links ist ein Cornus Kousa, hinten sind schon zwei Klematis, und die Rose rechts erkennt jeder. Die Erde, in denen diese Pflanzen vorher waren, habe ich verwendet und die letzte Tüte Komposterde sowie einige Komposterde sehr guter Qualität, selbstgemacht von Freunden, damit vermischt. Denn ich möchte nach oben hin nicht diese inhomogene nährstoffreiche Mischung sehen, die ich unten drin habe, was zudem noch zwei Vorteile hat: Hornspäne sollen nicht direkt an die Wurzeln der Pflanzen kommen. Und Pferdemist muss auch nicht unbedingt direkt auf den Balkon lächeln!

Die Daten zur Pflanzkiste kann ich nun alle zusammenstellen:

Breite: 53 cm

Tiefe: 83 cm

Höhe: 43 cm

Gesamtgewicht befüllt: max. 140 kg.

Holzkiste, leer: 23 kg

Gewicht der Erde, trocken: ca. 70 kg

Vermutlich größte von der Erde aufnehmbare Wassermenge: 40 Liter (40 kg)

Zeitaufwand gesamt: 21 Stunden

Zeitaufwand: Bau der Kiste: 11-14 Stunden

Montage auf dem Balkon: 3 Stunden

Befüllen der Kiste inklusive Umräumen auf dem Balkon: 4 Stunden

Kosten gesamt: ca. 45 €

Holzteile der Pflanzkiste: 2 x IKEA Sultan Lade: 20 €

Holzbalken für Konsolen: 7 €

Schrauben und Dübel: ca. 5 €

Weitere Holzteile fürs Ausschlagen: Wiederverwendungen, 0 €

Komposterde von der Späthbaumschule: ca. 8 €

Cuxin Rosenerde, halbe Tüte: 4 €

Pferdemist von Wanderweg mitgebracht: 0 €

Espresso-Kaffeesatz, upgecygelt: 0 €

Hornspäne: 30 cent

Ich möchte noch dazu sagen, dass ich die IKEA-Sultan-Lade Lattenroste schon im Herbst für diesen Zweck besorgt habe. Ich würde das heute nicht mehr machen. Schon beim Arbeiten mit dem an sich schönen Holz fand ich es doof, so viel Plastikband dazwischen rausschneiden und wegschmeißen zu müssen. Dann sah ich eine Dokumentation, die überdeutlich machte (was ich natürlich schon ahnte, aber es ist nicht leicht, sich das auch einzugestehen), wie die großen Ketten für das Weltklima wichtige Wälder ausbeutet (und dann so tut, als können sie da nichts gegen machen), wie auch die Menschen, die diese Möbel herstellen. Ich werde nicht wieder bei IKEA kaufen. Wenn man so etwas weiß, dann geht das wirklich endgültig nicht mehr.

Die Doku kann man HIER noch schauen.

Und HIER hat der Stern diese Doku zusammengefasst.

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7 Gedanken zu “Welche Erde für die Pflanzkiste? Das Befüllen mit nährstoffreichem, natürlichem Substrat!

  1. Wow, danke Dir, Dein Lob freut mich sehr! Denn Du wirst ja auch sehen, dass meine Beschreibungen sehr speziell auf diesen Fall zugeschnitten sind, und ich mir mancher Dinge noch gar nicht endgültig klar bin. Ich probiere es eben einfach aus. Wenn Du irgendetwas in die beschriebene Richtung vorhast, dann berichte davon doch bitte hier in den Kommentaren. Dann kann ich vielleicht mit Tips für Deinen konkreten Fall helfen. Oder wir überlegen zusammen!
    Herzlich Giorigo

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  2. Was für ein Projekt, wahnsinn ! Da hast du ganz schön rumgetüftelt. Ich finde diese Kisten total interessant und es sieht schön aus mit der Bepflanzung. Ich habe beim Zusammenpflanzen nur manchmal das Problem, daß ich die Blumen später nicht wieder auseinanderbekomme, wenn ich sie umtopfen will, weil sie zu sehr miteinander verwurzelt sind.

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  3. Hallo, schön, von Dir zu lesen! Du meinst nicht, dass die Erde so schon überdüngt ist eventuell?

    Deine Bedenken wg. des Zusammenpflanzens teile ich. Bin aber optimistisch, dass sich das lösen lässt: Falls die Pflanzkiste nach, sagen wir mal, 8 Jahren ausgetauscht werden muss, würde ich eine baugleiche wiederbauen, und dann alles so, wie es war da auch wieder rein tun. Ggf. in zwei Portionen. Falls ich aber dafür alles mal trennen muss, so habe ich es bisher so gemacht, dass ich die Wurzeln UND die Pflanze in solchem Zusammenhang gestutzt habe. Gehölze nehmen das eigentlich normalerweise nicht Übel. Weiß nur nicht, wie das bei einem Cornus Kousa ist.
    Herzliche Grüße,
    Giorgio.

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