Wie hältst Du´s mit dem Warmwinter? Ein eher persönlicher Eintrag.

„Mangel an Methode kennzeichnet den Amateur“! Wwomm! Diesen frappierenden – und erschlagenden – Satz las ich in einen Buch, das ich bei Freunden zufällig beim Austreten rumliegen fand. Welche Methode soll ich anwenden, um herauszufinden, wie ich die Pflanzen in den kommenden zwei Monaten schütze vor den Unwägbarkeiten des Frosts?

„Trial and Error“ würde ich spontan vorschlagen. Ist das eine Methode oder einfach ein „Vorgehen“?
Warmwinter chaos
So sieht es gerade auf meinem Balkon (mit Gehölz) aus. Ich habe alles schon vorbereitet für den Frühling, sogar schon die Rosen geschnitten. Die man eigentlich ja erst schneidet, wenn die Forsythien blühen. Aber, wann wird es dies Jahr sein? Letztes Jahr kam sie schon mitte Februar!!!
Brombeere nach Winterschnitt
Richtig war, dass ich schon die Brombeeren geschnitten habe. Februar bis mitte März ist dort angesagt. Kahl stehen sie dort und warten auf Wärme. Dann werden sie kräftig austreiben.
Was aber, wenn nun doch noch ein rauer Frost kommen sollte? Dafür habe ich nun alle empfindlicheren Pflanzen noch eingepackt. Und das sieht einfach nur schrecklich aus! Trostlos!
Ewiger Frostschutz
Sorge habe ich, da man ja nie weiß, ob plötzlich doch noch ein verheerende Kälte kommen könnte, für die man alles plötzlich wieder einpacken müsste. Hier hat ein Blogger die Bauernregeln zu dem Thema zusammengestellt und die lassen nichts gutes Ahnen.
Zaghafter Frühling trotz WarmwinterBesser wäre es schließlich, wenn man nun schon alles schön hinstellen könnte, wie im Frühling, unbedeckt, und dadurch einen einladenden Balkon zaubern. Ungeziefer, die sich unter dem Frostschutz wohl fühlen, würden womöglich durch einen leichten Frost getötet. Und, man könnte eventuell den Hibiskus rausstellen, was ihm gut täte.

Man kann aber nicht voraussehen, ob man sich schon diese Arbeit machen kann, ob man darauf vertrauen kann, dass das dann ohne Forstschäden so stehen bleibt. Es gibt dafür keine Methode. Denn, ich glaube nicht an Wettervorhersagen. Ich halte sie für den zentralen Aberglauben der Gegenwart. Daher gibt es keine klare zuverlässige Methode, natürlich schaut man auf die Termperaturvorhersagen für die direkt bevorstehende Nacht und achtet darauf, ob es an einem Tag schon kalt ist und dann auch noch in der Nacht der Himmel unbedeckt. Dann kann Frost drohen. Aber ohne zuverlässige Methode bleibt man doch ausgeliefert, bleibt man „Amateur“ im Umgang mit dem Frost, um es nach dem Spruch am Anfang zu formulieren.

Manchmal ist diese Unsicherheit doof, und, als Blogger empfinde ich, ja, Verantwortung. Als jemand, der als Wissenschaftler in einem vollkommen anderen Gebiet arbeitet und professionell schreibt, habe ich mit dem Bloggen über ein alltätliches Thema angefangen, da es mir unglaublichen Spaß macht. Ich kann hier schlicht erzählen, muss nicht permanent methodisch streng vorgehen. Mein Vorsatz ist allerdings, meine Handlungen, die ich im Blog beschreibe, ggf. zu problematisieren. Ich werde immer schreiben, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Damit andere den Fehler nicht widerholen. Das ist in gewisser Hinsicht meine Blog-Methode.

Manchmal aber bin ich besonders unsicher, und frage mich dann, ob ich das hätte schreiben dürfen. Z.B. die Pflanzkistenerde von letzter Woche – ist die nicht einfach überdüngt? Und bringe ich vielleicht andere Leute dazu, so was zu machen, was möglicherweise falsch ist? Diese Sorge kann ich und kann niemand mir nehmen. Ich denke nur, dass im Garten vieles nur durch Ausprobieren, durch Trial and Error, herauszufinden ist. Und, dass Gespräche unter Gärtnern solche Erfahrungen dann weiter tragen. Auch dort können Irrtümer verbreitet werden, und, Gartenbücher können gerade bei speziellen Themen zu engstirnig sein. Daher bin überzeugt, dass es richtig ist, von Versuchen zu berichten, wenn man dazu sagt, dass man sich hier probiert, und dass es später weiter gehen kann, mit neuen Erfahrungen. Denn, ich lasse es ja aus gutem Grund auf ein Experiment mit nährstoffreicher Pflanzkistenerde ankommen: Ich möchte einen Balkon schaffen, der überaus viele Pflanzen hat, wie ein Garten, dabei auch viele Gehölze, und dafür und darum experimentiere ich.

So also, wie mit dem warmen Winter und Frühling, in dem es passieren kann, dass man eines Tages etwas heraus holt aus dem Frostschutz, und, Wwomm!, in der Nacht friert es spontan, und eine Pflanze geht kaputt. Davor kann einen nichts und niemand schützen, wie auch das Gegenteil, bis in den Mai warten, falsch für die Pflanzen wäre. Es gibt dafür keine eindeutige Methode. Daher sind wir, die wir keine Profigärtner sind (die nämlich andere Möglichkeiten zur Verfügung haben), allesamt Amateure. Mit weicher Methodik.

Quelle für das Zitat „Mangel an Methode kennzeichnet den Amateur“: Willy A. Boelcke, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Einführung, Bibliographie, Methoden, Problemfelder, Darmstadt 1982, S. 93.

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4 Gedanken zu “Wie hältst Du´s mit dem Warmwinter? Ein eher persönlicher Eintrag.

  1. Hallo Giorgio,

    Versuch macht klug. So würde ich das sehen.
    Gärtern ist keine exakte Wissenschaft, deren Ergebnisse jederzeit und an jedem Ort identisch ausfallen: Das Klima ist im Breisgau anders als in Berlin oder in Bremen. Das Wetter am 26. Februar fällt jedes Jahr unterschiedlich aus. Dazu kommen örtliche Gegebenheiten wie Lage oder Bodenbeschaffenheit.
    Sicherlich gibt es ein paar allgemeingültige Regeln, die aus Erfahrungen anderer entstanden sind. Aber warum solltest Du nicht selbst experimentieren dürfen? Das macht doch das Gärtnern gerade spannend! Und es gehört zum Lernprozess dazu. Letztlich sind wir ja in der glücklichen Position, nicht auf die Ernte angewiesen zu sein…
    Also: Nur Mut!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

    Gefällt 1 Person

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