Vom Wuchs der Rosen (II). Idealfälle

Seit meinem ersten Beitrag zu diesem Thema vor einem Jahr konnte ich  viele Beobachtungen machen. Ich habe stetig  Beispiele in gepflegten Parks und Vorgärten betrachtet und einen Eindruck bekommen, welche Wuchsformen von Rosen mir besonders stimmig erscheinen.Rose, ideale Wuchsform als Buch
Rosen gefallen mir besonders gut, wenn ihre Struktur aus einer begrenzten Anzahl relativ klar und lang wachsender Hauptzweige besteht. Die Hauptzweige sollten dann relativ kurze oder zumindest sehr regelmäßig verteilte und regelmäßig lange Seitenzweigen haben. Aus dieser Zweigstruktur ergibt sich dann eine schöne Form des daraus heraus wachsenden Grüns und damit eine schöne Form des ganzen Strauches. Hierüber sieht  man den schönsten mir jemals vor die Linse gekommenen Busch überhaupt, gefunden nahe Leszno. Dieses Exemplar ist sehr ausgewogen in Breite und Höhe.
Selber Busch andere PerspektiveRose, ideale Wuchsform als hoher Buch
Dieses Exemplar, imselben Ort und aus zwei Perspektiven, weist die von mir genannten Idealcharakteristika auf, ist aber hoch gewachsen. Beides ist also möglich. Wichtig ist bei beiden Formen, dass sich der Wuchs zur Wurzel hin konzentriert.
Hieke, Wuchsformen Rosen, Blanda Typus
Hieke, Wuchsformen Rosen, Pendulina TypusIch scheine also eine Vorliebe für strauchartige Wuchsformen zu haben, die ein sehr klares Verhältnis zwischen Zweigstruktur und Gesamtform entwickeln. Bei Karl Hierke, meinem Lieblingsreferenten für das Thema, sind die beiden ersten hier gezeigten Beispiele anscheinend die Wuchsformen Blanda für die breitere und Pendulina für die höhere Form.

Aber, auch am Spalier geführte Rosen sind dazu geeignet, sehr klare Wuchsformen zu kultivieren. Beim folgenden Beispiel, im Seegarten des Liebermann-Hauses am Wannsee in Berlin , ist eine Strauchrose oder zumindest eine wüchsige Sorte mit festem Zweigwerk an einem Spalier befestigt. Dabei wird sie aber gar nicht zu sehr verändert oder verbogen, sondern  wie das zweite Beispiel bzw. der Pendulina-Typ aufgefasst:ähnlich Lightning Swords of Death- Venter of the Black Beast
Eine feste Sorte am Spalier zu führen hat den Sinn, bestimmte Rosenblüten mit anderen an einem Saplier zu vereinen. Antrieb ist also die Farbigkeit und Blütenvarianz, während auch hier dem  Busch selbst in seiner Wuchs-Eigenart keine Gewalt angetan wird.

Eine dem Spalier besser angepasste Form sind Rosen mit weichen, biegsamen Hölzern. So, wie bei dem folgenden Beispiel, wieder im Liebermann-Garten,  ein Rambler oder eine Wildrose. Er ist durchaus ähnlich gebildet, wie die Ghislaine de Féligonde:
Rose am Spalier var. I
Ebenso, wie bei den Strauchformen sind bei diesen am Spalier geführten Formen klare Hauptstränge lang ausgezogen.

Ein Element kommt bei den am Spalier geführten Rosen weicher Holzsorten aber hinzu: Es ist günstig, Zweige etwas schräg oder sogar horizontal zu führen, da sie dann besonders schön und kräftig nach oben ausschlagen. Das passt am Spalier immer wieder gut, und auch bei dem Liebermann-Beispiel ist durch die Serpentinen schon ein ähnlicher Effekt erreicht. Ein Beispiel in Polen, bei dem sogar sehr ergiebig in die Horizontale geführt wird:
Das horizontale Ziehen eines RosenzweigesDas ist der Grund, warum bei Hierke, wo er Spalierrosen als Wuchsschema darstellt, sogar sehr enge und steile Kurven aus klaren langen Ästen gezogen erscheinen:
Hierke, Ramblerrose Rankrose als Multiflora typ

Bei dieser Führung nämlich sind die Zweige deutlicher schräg geführt, als bei der relativ ausfrechten Ramblerrose oder Wildrose im Liebermann-Garten.

Man hat also eine ganze Palette an Möglichkeiten. Und, kennen Sie das, nachdem man selbst darüber geschrieben hat, kann man seine eigenen Ziele auch besser verfolgen.

Denn für meine Rosen auf dem Balkon ist das erstmal Zukunftsmusik, die sind alle noch viel zu jung. Das, was ich im letzen Jahr so gesehen habe, sind ja die FRÜCHTE JAHRELANGER PFLEGE, SCHNITT UND WACHSTUM! Das Ziel ist aber nun auch für mich schon klar!

Die Rose mit sehr festem Holz, die buschartig wachsen könnte ist bei mir diese:Rote Rose festes Holz

Ich sehe nun auch, dass ich sie zwar mechanisch nach den bekannten Regeln geschnitten habe, aber noch gar kein Ziel vor Augen hatte. Hier werde ich mich an  Pendulina oder Blanda orientieren.
Rose Prague ™ Castle ® Poulcas043(N)
Und hierüber nun ein schwieriger Fall, den ich noch im Schneiden beobachten werde, der mir vom Schnitt aber noch nicht gut gefällt, obwohl eine wunderschöne Rose: Prague ™ Castle ® Poulcas043(N). Sie hat deutlich dünnere Äste als die vorherige, aber doch kräftig. Da diese Rose in der Pflanzkiste unter der Pergula steht, könnte ich sie also zwar als Pendula-Typ schneiden, zugleich aber befestigen, um ihr auf Dauer mehr Höhe zu geben.
Ghislaine de Feligonde und Augusta Louise

Und hier ein Fall, den das Leben so schreibt. Links die Ghislaine de Féligonde, rechts die Augusta Luise. Die Ghislaine ist eine Ramblerrose. Auf dem Balkon habe ich aber im ersten Jahr sehr dünne Äste gehabt, und hoffe, das sich das langfristig ändert. Ich möchte sie an dem Rankgitter rechts wie Hierkes Multiflora-Wuchs-Typ ziehen. Also so, wie die biegsame im Liebermann-Garten, aber noch stärker geschwungen. Die Luisa habe ich vor gerade mal drei Wochen gekauft. Sie wächst sehr kräftig, aber, der Schnitt ist so von der Späth-Baumschule überkommen. Gut, aber ein Gefühl dafür, was man selbst mit einer Rose will, bekommt man erst, wenn man mindestens einmal geschnitten hat. Meine Idee, Ghislaine und Luisa ineinander wachsen zu lassen, wegen der Farben, muss sich ja auch erstmal bestätigen. Ob das wirklich passt??!! Dann erst kann ich weiter sehen.

Falls es passt stehen die beiden Pflanzen dann falsch herum: Die Ghislaine müsste direkt an das Rankgitter kommen können, die Luisa, von der ich zumindest annehme, dass sie als Busch wachsen kann, müsste vorne stehen. Die Ghislaine aber ist nicht bewegbar, da sie in die Pflanzkiste wächst. Das nur, um zu zeigen, wie viele Faktoren es über den Wuchs hinaus gibt. Eine Kategorie für sich ist beherrschbar, alle zusammen in der Natur sind eine stete Beschäftigung – genau die, die wir im Garten suchen! (-:

Und nur als Gedanke: Wenn man zwei Rosen unterschiedlicher Wuchsformen  ineinander wachsen lassen möchte, muss man offenbar selbst beginnen, freier zu komponieren. Hier habe ich noch ein Beispiel aus Polen, gezüchtet imselben Haushalt, wie Beispiel 2. In die Richtung könnte man denken: Rosen unterschiedlicher Wuchsformen

Zu guter Letzt, meinen Hochstamm habe ich im zweiten Jahr, wie ich finde, schon in eine bessere Form bekommen, ideal ist es noch nicht. Aber, ein Hochstamm sollte ebenfalls sehr klare Verzweigungen haben, das ist mein Ziel. Dies ist eine Jubilee du Prince de Monaco:
Jubilee du prince de monaco
Literatur (einer der intelligentesten Köpfe auch zu Rosen:)

Karel Hierke, Praktische Dendrologie, Berlin 1989, Band 2, S. 297 und 302-305.

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5 Gedanken zu “Vom Wuchs der Rosen (II). Idealfälle

  1. Lieber Giorgione, das schöne Wetter hält mich momentan vom Computer ab. Ich finde Deine Betrachtungsweise auf die Rosen sehr, sehr interessant und einmal mehr dürfen wir hier Deine schönen Skizzen dazu bewundern! Deine Seite ist nicht nur lehrreich, sondern gleichermassen inspirierend. Niemals zuvor habe ich mich auf Zweigstrukturen bei Rosen konzentriert und dabei sind sie ja – wortwörtlich – formgebend und ich bin mir nun der Wichtigkeit bewusst! Ich bin gespannt, wie sich die Rosen auf Deinem Balkon weiterentwickeln! Ein schönes Wochenende wünscht Dir, Arletta

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo, Arletta, ist doch klar, dass draußen sein vor Bloggen geht! Ja, vielleicht ist meine Betrachtung der Rosenzweige sogar etwas speziell, aber: Für mich waren Rosen letztes Jahr etwas komplett neues. Das hatte ich vorher meinem Vater überlassen…! Und, als ich anfing mich zu interessieren, war das zu einer Zeit, wo noch keine Blätter an den Rosen waren. Da fiel mir der spezielle Wuchs besonders auf. Diese Betrachtungsweise hat mich dann nicht mehr los gelassen. Aus meiner Sicht ist die für Rosen sogar hilfreich. Aber, das ist meine Sicht, vielleicht auch!
      Herzlich Giorgio.

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  2. Ohja, zum Thema Rosenwuchs kann ich mittlerweile auch viele Geschichte erzählen… 😀 Schöner Beitrag und toller Blog! Ich habe auch ein Blog im Gärtner-Bereich und finde es toll, anderen zu folgen! Liebe Grüße Ella

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