Vorfreude.

Arletta von Lettifarm hat mich auf den Gedanken gebracht: Warum sollte man Ungeduld ob eines Vorstadiums der Pflanzen empfinden, wenn man doch Vorfreude empfinden kann? Mir hat das geholfen.
Superdorothy Today!
Sehe ich nun diese Superdorothy in Knospe, endlich, kurz vor dem Aufblühen, ich freue mich nur noch auf die Blütenpracht die da kommen wird. Mehrere Hundert Blüten, wie schön wird das sein! Dazu hat mir ein kleiner Anstoß geholfen.
Das geht nicht immer, denn es ist eine Frage der Perspektive. Soeben habe ich – dies war für mich sogar der Anlass für diesen Post – eine Hummel gesehen, die bei mir die unendlichen Brombeerblüten besucht. Sie hat zwischendurch geduldig jede der Knospen der Super Doroty ansteuerte, ob da schon etwas zu holen sei, und ist schließlich mit dem Ergebnis „Nein!“ abzog. Sie schwelgte sicher nicht in Vorfreude, und ist auch nicht in Ungeduld verfallen.

Also, so sahen die Knospen vor wenigen Tagen aus:Superdorothy day 1

Und nun sind sie schon soweit:
Superdorothy day 2
Das macht schon alleine daher Freude, da ich nun schon die Farben sehe.
Poulsen weit
Und bei dieser weißen Rose von Poulsen  wird  eine so schöne Blütengruppe entstehen, wie letztes Jahr.
Hummel Brombeere
Da ist die Hummel, die an den Super Dorothy keine Chance hatte. Noch keine. An der Brombeere aber erfreut sie sich – und ich schmecke schon im Gedanken die Früchte, die im Munde zergehen!!!

Hier war mein Erstaunen groß, dass die erste Tomate schon winzige Knospen hat:
Siebenbürgener Reisetomate
Es ist eine Reisetomate, die der Verkäufer als „Siebenbürgener Reisetomate“ gelabelt hatte. So früh ist das natürlich eine echte Überraschung!
Schönmalve mit Knospen
Ebenso, wie, dass meine Schönmalve hierüber, nachdem sie im Frühling plötzlich Schildläuse hatte, wieder ganz gesund ist und: Knospen ansetzt! Ich bin beglückt bei dem Gedanken an das kommende tiefe, kräftige Rot in der Komposition meines Balkons!

Bei den letzten beiden kommt die Begeisterung aus der Überraschung heraus! „Huch, die bekommt ja schon Blüten!“, bei der Tomate, und „Huch, die bekommt ja doch noch Blüten!“ bei der Schönmalve.
Gelb
Eine Überraschung ganz anderer Art aber doch auch mit kräftigen Farben habe ich erlebt, als ich, angeregt von meinen Balkonmalereien, nun an einem ungegenständlichen Bild arbeitete, über dessen Konzeption ich lange nachgedacht hatte. Ich hatte erwartet, dass ich daran Tagelang würde arbeiten. Stattdessen war es nach etwa einer Stunde so geglückt, dass es eine Geschlossenheit hat, die ich nicht aufgeben möchte. Mit den weitergehenden Ideen, die ich eigentlich mit dem Bild verfolgt hatte, muss ich mit einem neuen Versuch ein neues Bild anfangen.

Die erfreuliche Überraschung lag darin, so plötzlich ein Werk geschaffen zu haben. Ich gebe zu, auch hier war ich zunächst eher beunruhigt, als erfreut. Ich konnte ja die Bildteile nicht mehr zusätzlich auf das Bild bringen, die ich hatte anbringen wolle. Es dauerte eine Weile bis ich merkte: Ja, es ist einfach so fertig. Das habe ich geschaffen, und es ist gut so. Also, ein ähnlicher Effekt, wie, als ich von der Ungeduld in die Vorfreude wechselte.
Gelb getrocknet

Hierüber  die getrockenete Version des Ausschnitts von oben, heute. Die Oberflächen sind wunschgemäß stukturiert und komplex.

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4 Gedanken zu “Vorfreude.

  1. Oh… ich fühle mich sowas von geehrt, dass Du meinen Namen hier erwähnst, lieber Giorgione! Und für die Leser dieses einzigartig schönen Blogs möchte ich erwähnen, dass auch Giorgione mir einen wertvollen Tipp gegeben hat über den ich wiederum bald schreiben werde. Vorfreude empfinde ich als grossartiges Gefühl, wenn auch es wirklich eine Sache der Perspektive ist. Bei Kunstwerken ist es so wichtig, das Geschaffene im richtigen Moment als vollendet zu realisieren und daran nichts mehr zu ändern oder weiterzuarbeiten, sonst zerstört man den Charakter des Werkes und dies ist nie mehr rückgängig zu machen. Ist mir beim Malen immer wieder passiert und es hat mich unendlich geärgert jedes Mal. Auch der Balkon erreicht manchmal diese Stufe, wo alles einfach mal gut ist, bringt man dann noch eine Pflanze mehr rein, vermag diese möglicherweise die ganze Komposition empfindlich zu stören. Ein interessantes Thema wieder, das mich bestimmt gedanklich noch beschäftigen wird. Nun, lieber Giorgione, geniesse weiter Deine Vorfreude auf die Blütenpracht und erfreue Dich an der aktuellen enormen Knospenpracht! Mit lieben Grüssen, Arletta

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    1. Liebe Arletta,
      gerne erwähne ich Dich, wenn ich etwas Dir danke! Wo Du schriebst, fiel mir nur auf, dass ich Deinen Namen irgendwie verlinken muss, da Dich ja nicht jeder kennt. Und da sah ich, als ich genauer hinschauen muss, dass Dein Blog nicht „Leitfarm“ heißt, wie ich immer glaubte, sondern „Lettifarm“. Originell.

      Du hast also auch einige Malereierfahrung, das ist schön, man versteht sich darüber dann besser. Ich habe zum Glück eine Malerin im Bekanntenkreis, die ehemalige Lehrerin meiner Schwester, die sich ab und zu meine Werke anschaut, die ja nicht von einem faktisch „praktizierenden Künstler“, sondern nur von einem dilettierenden Laien gemalt sind. Da bin ich auf Nachsicht angewiesen, und, da ist die Erfahrung als Kunstlehrerin für sie wohl eine gute Voraussetzung. Toleranz! Sie hat mir beigebracht, dass man auf Werken, die man vor Ort gezeichnet hat, durchaus ab und zu nachträglich noch ein Paar Striche machen darf, wenn man merkt, sie fehlen.
      Daher, witzig, habe ich genau die Gegenteilige Erfahrung gemacht, wie Du: Für mich war eine vor Ort gezeichnete Skizze bis dahin „heilig“, ich wollte sie auf keinen Fall mehr anfassen. Auf Anregung der Malerin habe ich es dann doch nun gelegentlich gemacht, mit sehr positivem Ergebnis! Sie hat damit bei mir eine „Verkrampfung“ gelöst. Wenn bei mir meine Frau nicht entschieden interveniert hätte, so hätte ich an dem og. gelben Bild aber gewiss doch weiter gearbeitet, und es, in diesem Fall, da bin ich inzwischen sicher, zerstört. Es gibt eben BEIDE Fälle. Und, um Kästners „Emil und die Detektive“ zu zitieren, so gilt auch für das Malen: „Na, Gefahr ist eben dabei. Und wer Angst hat, geht am besten schlafen!“

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  2. Das mit der Perspektive ist schon wahr. Man kann alles so oder so sehen und dann doch lieber Vorfreude als Ungeduld. Irgendwie überträgt man manchmal das Leistungsdenken unserer Gesellschaft auf das Pflanzenwachstum. So kommts mir jedenfalls vor. Ich war kürzlich enttäuscht, daß der eine meiner zwei Blutweiderichs dieses Jahr nur halb so groß wie der andere und halb so groß wie im Vorjahr ist. Da waren beide große Büsche. Was solls ?! Dann wird er dieses Jahr eben ein kleiner runder kugeliger Busch. Ist doch auch schön !! Dafür ist der andere jetzt schon größer als letzten Sommer. Hauptsache sie blühen, obwohl auch Pflanzen mal eine Pause brauchen und ein oder zwei Jahre gar nicht blühen. Sich an dem Freuen, was da ist, das ist doch das Wichtigste ! Und nicht immer vergleichen und die Meßlatte anlegen…
    Danke für den schönen Beitrag und die Denkanstöße 🙂 Die Hummel ist übrigens eine Ackerhummel. Dann wirds wohl viele schöne große Brombeeren geben 🙂 !!!

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  3. Ja, Dein Diktum „Irgendwie überträgt man manchmal das Leistungsdenken unserer Gesellschaft auf das Pflanzenwachstum“ trifft den psychologischen Kern der Sache! Ich habe mich nur sehr gefreut, dass ich Arlettas schüchternen Hinweis, „wieso nicht Vorfreude“, so gut umsetzen konnte. So, wie Du berichtest, dass Du nun anders auf den Blutweiderich und andere schaust, nachdem Du es Dir klar gemacht hast.
    Sag, was weißt Du über das gelegentliche Nicht-Blühen? Ich habe nun mehrere solche Fälle, und bin darüber etwas verunsichert. Es sind konkret VIER Fälle: Ein weißer Flieder, ZWEI Hundsrosen, darunter eine Pimpinell-Rose, und ein Feuerdorn (Pyracantha). Die beiden Rosen blühen schon im zweiten Jahr nicht. Der Flieder, wo ich es gerade überlege, auch. Und den Feuerdorn habe ich letztes Jahr gekauft, da wundere ich mich nicht so, dass er dieses Jahr aussetzt. Ich frage mich immer, ob ich falsch geschnitten habe oder so? DU meinst, das sei einfach normal?
    UND vielen Dank für die Bestimmung der Hummel. Das hat die Freundschaft mit ihr erheblich vorangetrieben, als sie neulich vom Balkon wegfliegen wollte, habe ich gerufen: „Hee, heda, Ackerhummel, bleib doch noch etwas.“ Worauf sie „Woher weißt Du denn meinen Namen? Und ich so: „Von der Pflanzwas!“, – „Ach, von der habe ich auch schon gehört, und, die kannte mich einfach so?“ – „Ja, naja, klar!“ – „Na, sieh mal an, die Welt ist doch ein Dorf“! Dann musste sie aber wirklich los, weil bei mir war schon abgesucht.

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