Grün kommt kräftig

Blumen, Blüten, Buntes und Frisches, das sind die ersten Frühlingstage, aufregend und überraschend nach den Grauen Wintertagen.

Doch, das frische Grün ist ebenso faszinierend, auch, wenn man es „aus psychologischen Gründen“ viel später erst bemerkt, als die Vielfarbigkeit. Dieses Jahr sind sowohl meine Clematis, als auch meine Rosen schon vom Vorjahr im verholzten Bereich sehr kräftig.

Daher sah es schon im Vorfrühling, hierüber am 10. März, sehr verzweigt aus. (Rechst unten im Bild übrigens die Krokusse aus der Zeit, in der man Bunt bemerkte).

Nun aber schlägt das alles so kräftig aus, dass ich ahne, es wird dieses Jahr sehr üppig, auch später Blütenreich werden! Da kommt es gerade recht, dass ich einige Töpfe vom Balkon nun in den Kleingarten gepflanzt habe. Das Problem der zu großen Masse hat in den letzten Jahren mir nämlich einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Wegen meines Weitwinkelobjektivs hat keiner meiner Blogleser das sehen können, aber: Es war zu viel! Nun konzentriere ich mich mehr auf die Seitenwände des Balkons, die stark und vielfältig bewachsen werden werden, da es inzwischen kräftig angewachsene Gehölze sind. Im mittleren Abschnitt, wo ich mich bewege, werde ich etwas weniger ziehen. So wird es besser, das Verhältnis zwischen Quantität und Qualität!

Nur mit den Tomaten habe ich wieder übertrieben, wie immer! Ich habe inzwischen solche Pflanzschalen aus Quedlinburg, wo 50 Keimlinge nach dem Pickiren rein passen. Davon habe ich drei Schalen, sowie noch einiges in Espressotassen.

Nun, es wird sich zeigen, wie ich damit umgehe! 200 Tomatenpflänzchen locker. Ich werde viele verschenken. 5 will ich auf dem Balkon haben, 20 im Kleingarten. Alles andere müssen andere machen. Ich muss sie alle verschenken, denn, wegwerfen kann ich die einfach nicht!

Kennt jemand diese Sorte, Tamina? Ich hoffe, es ist keine Hybride, keine Anfällige? Mir hat jemand eine Samentüte geschenkt. Sonst mache ich nur noch Samenfeste, alte Sorten.

Stachelige Brombeeren nachhaltig kultivieren. Im Garten. Auf dem Balkon.

Immer wieder höre ich, dass Leute ihre „Brombeerranken“, ihre „wuchernden Brombeeren“ einfach irgendwann wegschneiden, wütend über dieses „Unkraut“ das so schmerzhaft sein kann, oder einfach, weil sie glauben, damit ihrem Garten etwas gutes zu tun.


Im Kleingarten, den ich nach Jahren der Verwilderung übernam, fand ich die Brombeeren vor, wie es leider häufig ist: Total verwachsen, mehrere Absenker. Sie hatten daher im letzten Jahr nicht oder nur gering getragen, sodass ich nicht erkennen konnte, welche Triebe zweijährig, welche einjährig sind. Nun ist das Schneiden reine Glückssache – Brombeeren tragen am einjährigen Holz.

Das ganze Problem ist schlicht: Brombeeren werden nicht als Beerenstrauch Ernst genommen! Man schert sich nicht um ihre Schnittregeln! Die sind aber denkbar einfach:

1, zu Beginn des Jahres hat jede Brombeere einerseits Triebe, die jetzt schon zwei Jahr alt sind. Sie haben letztes Jahr getragen. Weg damit, im Januar, Februar, oder einfach noch jetzt im März April, Hauptsache, sie nehmen keine Kraft mehr weg.

2, dann hat sie andererseits Triebe, die nun erst ein Jahr alt sind, sie wuchsen im letzten Jahr zu meterlangen Ruten. Die hegt und pflegt man, denn aus ihnen kommen dieses Jahr die Blüten und Beeren!

3, Wenn der Frühling richtig einsetzt und in den Sommer übergeht, kommen neue Ruten aus dem Boden hervor. Die führt man sorgsam nach oben, bindet sie sanft an und umsorgt sie. Sie werden im kommenden Jahr tragen.

4, wenn man das dies Jahr endlich mal richtig gemacht hat, weiß man kommendes Jahr auch genau, welche welche sind. Wenn man das alles aber nicht macht, wird die Brombeere zu einem unschönen Gestrüpp, das nicht richtig trägt und ob der Dornen gefährlich ist.

Dies Jahr habe ich die Hälfte der vielen Triebe des verwilderten Exemplars abgeschnitten, die erfolgversprechenden hoch gebunden, an ein einfaches Gestell mit Draht. So erhalte ich einen guten Überblick! Die Brombeeren sind keine Gefahr mehr als „Brombeergestrüpp“. Es sieht dies Jahr nur noch nicht ganz so schön aus.

Soviel nur muss man also von seinem Exemplar wissen, dass es zwei Triebarten (Triebalter) gibt, die jede einen eigenen Umgang erfordern. Mir wird  nun bewusst, warum mein Beitrag „Brombeeren auf dem Balkon“ täglich  bis zu 14 mal gelesen wird: Ich habe offenbar insofern einen Nerv getroffen, dass Leute gerne Brombeeren essen. Und überlegen, wie man sie selbst auf dem Balkon ziehen kann. Dazu muss man Brombeeren einfach wie jeden anderen Beerenstrauch auch betrachten. Dann funktioniert es.

Beerensträucher brauchen den Schnitt. Hier ein herrlicher, alter aber verwachsener (roter) Johannisbeerhochstamm, den ich im Garten vorfand. Er bedurfte einer Auslichtung, um verjüngen zu können und um gute, gesunde, große und aromatische Früchte zu tragen.

… aber so, nach dem Schnitt, kann ich gute Hoffnungen haben: 1, dass der Strauch auch in diesem Jahr schon anständige Früchte tragen wird, etwas weniger, als bei einem weniger radikalen Schnitt, dafür aber von höherer Qualität. 2, viele junge, neue Triebe kommen werden, die für eine sehr gute und reiche Ernte 2018 sorgen werden. Johannisbeeren Tragen am zwei und dreijährigen Holz.

Der Vergleich mit der Johannisbeere soll nur zeigen: Hier ist man sich als Gärtner viel eher bewusst, dass man da mit Schnitt ran muss. Aber auch Brombeeren sind gute Beerensträucher, die eine riesige Energie haben, anders als die gewohnten Beerensträucher, wie Johannisbeeren oder Stachelbeeren, selbst Himbeeren. Sie sind aber kein „Wildstrauch“ und gewiss kein „Unkraut“, sondern bedürfen nur der Pflege und des regelmäßigen Schnittes. Dann braucht man sie auch nicht als „Neophyten“ zu verteufeln, was in ihrem Fall leicht daneben ist. Beerensträucher sollten  regelmäßig geschnitten werden, und unausweichlich jährlich die Brombeere.

Zum zweijährigen Blog-Jubiläum: Musik!

Heute, wo sich mein Bloggen zum zweiten Male jährt, möchte ich eine lange Geschichte erzählen. Über Musik und Gefühl. Über Musikstile und ganz konkret, ihren Bezug zur Gegenwart. Jeder Stil auf seine Art, für sich richtig und gut –  so wie sonst über die Blumen auf dem Balkon in ihrer unwiderstehlichen Vielfalt, schreibe ich über meine Gedanken zu guter Musik.

Do you know, what it Hurts like?

Welche Musik kann ernsthaft gehört werden? Differenzierte Bezüge stellen sich  gar nicht selten ein, und manchmal passiert es, dass vermeindlich anspruchslose Musik sich als gut entpuppt. So entdeckte ich von der relativ jungen britischen Synth Pop / New Wave Band „Hurts“ das Album „Surrender“. Warum höre ich sie? Hurts haben zwar ihre Peinlichkeiten und Unbeholfenheiten, entpuppen sich aber als bemerkenswert in den Texten und der musikalischen Umsetzung, wenn man sich auf sie einlässt. Kritik an Hurts geht meist in die Richtung, sie würden musikalisch die Mittel in Hypertrophierung (d.h. gewissermaßen „Überversorgung“) anwenden. Das war beim New Wave aber immer schon so, etwa bei Depeche Modes Vorspiel zu „People are People“. Pop ist überhaupt Hypertrophierung, man denke an Beatles „The Beatles“ („White Album“), für mich der Beginn des modernen Pop, wo alle Musikstile mit überaus eigenen und qualitätvollen Beispielen vertreten sind. Ein Feuerwerk der Vielfalt, oder, wenn man so will, Hypertrophierung.

komposition-orange-rot

Hurts hypertrophieren beispielsweise, indem Stimmen per Vocoder in einen sehr Tiefen Bass verzerrt werden, wo Zweifel an der Lebbarkeit von Gefühlen anwesend sind. Oder, um versagende Stimmen darzustellen („I tried to call“). D.h. die Hypertrophierung ist nicht schlicht ein Mittel im Sinn eines Manierismus – einer Spielart des Barock, in der ursprünglich sinnaufgeladene Formen – etwa eine Säule – zu den reinen Spielelementen einer Komposition werden, die dann das eigentliche Ziel wird. Die Hypertrophierung hat bei Hurts Sinn. Dann kommt häufiger der Vorwurf, sie würden alle möglichen Versatzstücke verwenden und geschickt arrangieren, gerade in ihrem modischen Auftreten und den Covern. Das machen Künstler immer schon!

Steigen wir da direkt ein in das textlich beste Stück der LP, „Rolling Stone“. Zunächst, wer traut sich nach der bekannten Band und der bekannten Zeitschrift, ein Lied so zu nennen? Hurts. Die erste Zeile:
„In fair Verona where we lay our scene“.

Der Reiz ist hier, dass die Szene, die nun die Erzählung ausmacht, willkürlich nach Verona gelegt wird. Der Erzähler macht das Erzählen zum Thema, indem er uns an seiner Entscheidung, wohin er eine Handlung verlegt, teilhaben lässt („where we lay our scene”)! Ein wunderschönes Mittel, selten eingesetzt, daher umso effektiver, wenn es denn vorkommt. Johann Wolfgang von Goethe begann seine „Wahlverwandtschaften“ mit „Eduard – so nennen wir einen reichen Baron“. Das Mittel in einem Popsong ist eine Überraschung.

„Juliet is on her knees

She shoots to kill

and aims to please“

geht das Stück weiter. Die Heldin ist in dem Lied auf den Knien, jedoch, wo sich im Text Ortsnamen häufen, erzählt sie ihre Lebensgeschichte in der Vergangenheit. An der Stelle aber, wo ihr Knien erneut erwähnt wird, wissen wir, wir sind wieder in der Gegenwart, in Verona. Sie versucht gerade, durch Gewalt („shoots to kill“) oder Gefallen („aims to please“) sich zu wiedersetzen. Plump gesagt, offenbar erwägt jemand, sie der Polizei zu übergeben, da sie minderjährig ihren Eltern zurück überstellt werden sollte. Sie aber wehrt sich argumentativ dagegen, indem sie sowohl aus ihrer Lebensgeschichte begründet, warum sie nicht zurück möchte, als auch droht, sie würde entweder sich selbst töten („never take her alive“) oder die Polizisten („she would kill them if they tried“). Eine dramatische Situation, und die Sprache ist präzise und sagt viel in den wenigen Worten:

„She said her Daddy was an alcoholic

And her Mother was an animal“

erzählt erstmal davon, dass ihre Eltern nicht gut für sie sind. Die Stichworte genügen, um ausreichend überzeugende Assoziationen zu erzeugen, dass sie nicht zurück sollte. Frappiert hat mich darüber hinaus, dass der Vater „Daddy“ genannt wird, also letztlich liebevoll. Und die Einordnung „Alcoholic“ liefert eine Erklärung für sein Verhalten. Ihre Mutter aber wird einfach „Mother“ genannt, und sogar „Animal“, „Tier“, als negative Figur, ohne Erklärung, ohne Pardon. Anscheinend gibt es die typische Geschlechterverteilung: Der Vater wird als Alkoholiker einerseits als Quelle des Problems benannt, aber irgendwie auch bedauert, während die Mutter, die diese Situation nicht aufzulösen vermag, als „Tier“ in ihrer hilflosen, wehrlosen Rolle die Schuld tragen muss.

Dass die Tochter alles tut, nur um nicht zu den Eltern zurück zu müssen, überzeugt ganz unabhängig davon. Dass sie ihr Leben wie ein „Rolling Stone“ lebt. Als Ausdruck, rollender Stein, ist das alt, passt aber.

Wenn Hurts zu sehr Pop sein wollen, können sie auch peinlich sein. Da die Musik dann gut ist, wie bei „Wings“, macht das nichts. Zugleich muss man lächeln, wenn der Inhalt des Stückes ist, jemand vom „freien Fall“ zu bewahren, und ein Flügelwesen aufgefordert wird „Wrap your Wings around my body!“ Wie soll denn das gehen, ein Flügelwesen kann doch nicht mehr fliegen, wenn es die Flügel um den Körper eines fallenden Menschen schlägt! „We´re flying above the valley below“, wie es in der wunderschönen Refrain-Abwandlung kurz vor dem Ende des Stückes heißt, funktioniert dann aber nicht mehr! Hier nun haben wir Manierismus vor uns, aber den Allerschönsten. Es geht um die paradiesische Vorstellung, von Flügeln umarmt gerettet zu werden als Form, nicht als konkreten Lösungsansatz.

Das letzte Stück der Platte ist mein Lieblingsstück. Es beginnt: „I said I´d call the Police-woman“. Wunderschön, der Überraschungseffekt. Nach „Police“ scheint der Sänger kurz anzuhalten, um dann „woman“ fortzufahren und so die Überraschung auszukosten. Diese Überraschung ist echt, der Stop and Go kein Manierismus. Dabei wieder seltsam: Der Satz „Ich rufe jetzt die Polizei!“ hat gemeinhin eher Peinliches an sich. Zumindest wird niemand, der diesen Satz sagt, für besonders souverän bewundert. Aber, in der Wendung, Police-Woman wird es plötzlich etwas besonderes. „Ich rufe jetzt die Polizistin!“ würde in einer Streitsituation in Deutschland wohl auch Überraschung hervorrufen, und daraus vielleicht sogar einen Effekt erzielen.

Die Geschichte der Polizistin in „Policewoman“, die gleichzeitig eine Superheldin („trying to rescue these streets“) und eine – diesmal gute! – Mutter verkörpert („she protects me from the pain“) sowie schließlich sogar eine gute Ehefrau („to serve and protect my loving”) ist genialisch und peinlich zugleich. Mir scheint, am Wichtigsten aber ist, die Geschichte ist konkret und irgendwie wirksam. Ich denke, das macht dieses Album überhaupt aus. Die bluntness, Gefühle in Worte und, meinetwegen, hypertrophierte musikalische Mittel zu verpacken, sodass sie packen. Die naiv positive Besetzung der Polizei als Retter. Worte, wie „I see those vandals running“ überraschen: Wer spricht denn ist-1 heute noch von „Vandalen“? Aber, natürlich gibt es in dem Moment, wo jemand Vandalismus begeht, auch einen Vandalen. Ebenso ist die Hoffnung, vom Schmerz erlöst zu werden am Ende der Vinyl-LP weniger religiös gemeint:
„From the bullets to the blades

She protects me from the pain“

Ganz Konkretes ist hier gemeint, nicht etwa seelischer Schmerz, hier geht es um physischen Schmerz durch Vandalen und aggressive Menschen. Es geht um sehr bürgerliche Ängste und Hoffnungen, was man ebenfalls in einem Popsong einer New-Wave-Band kaum erwartet. Es geht einem daher um so näher, wenn es so ganz unaufgeregt und naiv gesungen wird: „A code of silence feeds the violence all around“ ein kryptischer, faszinierender Satz. Er passt für die heutigen Städte, in denen man sich ohne Worte zu wechseln Gewalt antut.

Denn, die Band heißt Hurts. Haben sie den Namen aus Pet Shop Boys LP „Very“ mit dem Stück „Young Offender“? Auf jeden Fall passt der Name gut, wenn er in mehreren Variationen auf der Platte vorkommt, einmal (in „Lights“) sogar genau in der Form „Do you know what it Hurts like?“. Und sie schreiben über Liebesschmerz, enttäuschte Liebe (beidseitig, in „Wish“), körperliche Liebe, die, durchaus zur Frustration des Liebenden, in Sadismus übergeht („Slow“). Deutlich auch der Satz: „If this is love, than why does it Hurt so bad?“ in „Why“ (musikalisch das schwächste Stück der LP). Hoffnung aber wird nie aufgegeben, das ist wichtig. So, wie der Satz „Black sky turns Technicolor“ in „Kaleidoskope Dream“ für mich die Überwindung der 80er Jahre verkörpert, in denen Depeche Mode sangen:

„Grey sky over black town

I can feel depression all around“.

To serve and protect my loving

Bei der Kunst-Gefühlssprache der Musik ist mir mit Hurts erst klar geworden, weshalb in der Popmusik permanent von schwierigen Liebesbeziehungen gesungen wird: Dieses hundertmal variierte Thema ist eine Verarbeitung der gesellschaftlichen Grundsituation, dass zwar jeder Mensch geliebt werden möchte, in den komplizierten Umständen aber oft keine Liebe weiter gibt und damit anderen das verweigert, was er selbst möchte. Diese Missachtung kann in Hass umschlagen. Das Gefühl Hass ist grundsätzlich eine innere Reaktion darauf, dass man geliebt werden wollte und auch überzeugt war, dass man diese Liebe verdient hat, darin aber zurück gestoßen wird. Menschen glauben immer, dass sie Liebe verdienen, egal, was sie tun, seit der Kindheit von ihrer Mutter. Daher der Satz „To serve and protect my loving“ in Hurts mütterlicher „Policewoman“.

Das Gefühl einer Situation auszudrücken ist an sich wertvoll. Dabei sogar ungerecht zu sein, das darf sowohl das Gefühl, wie auch die Popmusik. Ungerecht, etwa gegenüber der Mutter in „Rolling Stone“ oder gegenüber dem Vandalen, der doch auch ein Mensch ist, in „Policewoman“. Ich finde, der Politiker darf es nicht, ja sogar der alltägliche Mensch auf der Straße oder am Computer darf es nicht, wenn er politisch argumentiert. Er muss genau sein, logisch, darf sich den Gefühlen nicht hingeben. Das geht aber nur, wenn man Gefühle kennt, versteht, sich selbst in seinen Gefühlen nachvollzieht. Und sogar, wenn man Gefühle, die in einer Zeit latent sind und die man eigentlich nicht teilt, erkundet.

In dieser Hinsicht kann sogar Hass als Gefühl wertvoll und richtig sein. Hass kann jedoch nur ein erster Impuls, ein Anfang sein, ein Problem zu definieren. Denn gelebter Hass ist destruktiv. Er kennt nicht den Weg, der gut ist. Hass ist als Gefühl wichtig, als Tat aber Nihilismus. Die Tat aus Hass trägt keinen Nutzen, weder bezwingt sie das Gefühl, noch das Problem.


I see a new beginning

Traurige Gefühle werden im Punk und im Heavy Meta thematisiert. In diesen Musikrichtungen gibt es so viel Neues zu hören, dass es erstaunt, wie wenig die Kunstform im alltäglichen Gespräch präsent ist. Die Aussage „Ich höre Abba“ geht immer durch, aber „Ich höre Lightning Swords of Death“, was passiert, wenn man das sagt? Erstmal kennt die niemand. Und, wenn das Gegenüber für sich die Worte übersetzt „Blitzende Schwerter des Todes“, dann wird es belächelt oder als abstrus empfunden, da die Sprache des Metal in ihrer Bedeutung nicht präsent ist. Schmalzige Sätze aus dem Pop, wie „Holiday auf Wolke 7“ versteht jeder und kann sie, ironisch lächelnd, einordnen und sogar genießen. Aber Sätze wie „Ashes this way ashes and dust decay“? Mal auf Deutsch, um die immanente Coolness des Englischen abzuziehen: „Asche hier! Asche und Staub, Zerfall!“ Da kann niemand so richtig was mit anfangen, der Bezugsrahmen fehlt. So, wie jemand, der ein Gebäude des Manierismus in Rom vielleicht das erstmal sieht, gerne sein übliches Urteil über den Barock auspacken wird: „Überladen!“. „Unstrukturiert!“. Stimmt aber nicht.
Was singt nun die Gruppe „Lightning Swords of Death“ in dem Stück „Venter of the Black Beast“ nach der Zeile „Ashes this way“?

„Woe to man

his fall from grace

into the silence of perfection of death

final gnosis is found

al is darkness and all is chaos.”

Düstere Sätze! Erstmal sind es anscheinend Ausrufe. Gibt es eine Hauptperson? Es ist schwer zu bestimmen, aber es ist wohl der Mensch, der gefallen ist. D.h. er sieht sich mit all diesen, sagen wir mal: „Widrigkeiten“ konfrontiert. Der Text bemüht sich mit der Aufzählung ähnlich entsetzlicher Widrigkeiten, eine Stimmung oder einen Zustand der Bedrohung und Sinnlosigkeit zu vergegenwärtigen. Dabei werden immer neue Beschreibungen gefunden:

„dig us a grave

the finest grave

build us this tomb

to bury what was man“.

Um diese Anhäufung von synonymischen Schrecklichkeiten richtig nachzuvollziehen, die Gegenüberstellung mit dem religiösen Barockgedicht von Andreas Gryphius, „An die Sternen“:

„Ihr LICHTER, die ich nicht auff Erden satt kan schauen,

Ihr FACKELN, die ihr Nacht und schwartze Wolcken trennt

Als DIAMANTEN spilt, und ohn Auffhören brennt;

Ihr BLUMEN, die ihr schmückt des großen Himmels Auen“ etc.

Ist in dem Black-Metal Gedicht von Jeremy Stramaglio als dem Texter von Lightning Swords of Death alles dunkel und sinnlos, ist bei Andreas Gryphius alles erleuchtet und wunderbar. So wird deutlich, dass die Lyrik des Black Metal nicht selten traditionelle religiöse Lyrik quasi umdreht, deren Wertvorstellungen invertiert. Beide Sorten der Lyrik treffen sich aber darin, etwas mystisches zu beschreiben. Auch leiten sie ihre Geschichte ähnlich mit der Vielzahl von Beschreibungen desselben Gefühls auf einen Höhepunkt hin. Lightning Swords of Death führen dazu einen zweiten, mächtigeren Hauptcharakter ein:

„the star that burneth black

a god of rotting decay.“

Also, auch hier ein Gott, wie bei Gryphius. Aber, was für einer, ein schwarzer, schrecklicher Gott. Das offensichtlich wichtigste über ihn erfahren wir im letzten Satz:

„He cannot live outside the host“.

Am Schluss wird die Geschichte verständlich: Der Mensch ist gefallen und schlecht geworden. Er sieht sich nun Fürchterlichkeiten gegenüber, die alle vom Schwarzen Stern als einer Art Gott ausgehen: „now all behold his face“. Und er wird auf entsetzliche Weise sterben. Nun kann der Titel „Venter of the black beast“ dechiffriert werden: Der Mensch ist ein „schwarzes Biest“, das in seine Gedärme die Scheußlichkeiten hinein fraß und nun selbst von ihnen zerfressen, verbrannt, vergiftet, zersetzt wird.

Hier kann man das Stück hören. Vorsicht, wer so was nicht kennt, es dauert, dass man das durchdringt, wirklich hören kann. Dass man nicht lachen muss oder sich abgestoßen fühlt. Ich muss auch heute manchmal lachen, wenn der Sänger zu röchel-singen anfängt. Lachen ist gut. Aber, auch verstehen, etwas von der Musik mitnehmen.

Wie man sich dieser Musik stellt, fragen sich offenbar manche Leute, auch solche, die sie selbst hören. Metal thematisiert Hass, Verzweiflung, Zerstörung, völlig ungeschönt. Es ist glaube ich nicht adäquat, die Geschichte des Metal als eine zu erzählen, in der alles nur schneller, lauter und härter geworden sei (so hier). Nur formal stimmt das, aber das sagt nicht viel. Denn es handelt sich hier nicht um Manierismus, die Entwicklung ist inhaltlich zu verstehen: Metal ist vom einst schon revolutionär für die Zeit klingenden „Hardrock“ immer befreiter darin geworden, Aggression künstlerisch darzustellen. Dafür wurden immer neue Mittel gefunden, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Inzwischen ist zwar quasi alles schon mal da gewesen, gerade daher aber konnten die Mittel in höchst kunstvoller Weise weiter entwickelt werden. Schließlich ist der „cross over“, die Vermischung der Stilmittel, die sich zunächst separat gebildet haben, meistens am interessantesten. So z. B. bei Saturnalia Temple „To the Other“, oder Vanum „Realm Of Sacrifice“ bis hin zu Genres und Gruppen, die man einfach kennen muss, wie dem Drone Metal mit Sunn O))) „Kannon“.

ist-2aDabei sind die Musikstücke mit den Texten als Ganzes das Werk. Es wird vom Gefühlswert her verstanden. So wird es als Kunst gelebt – übrigens auch, wenn jemand sagt, „Ich halte das nicht aus“. Das ist eine mögliche, berechtigte Rezeption. In manchen Foren zu Alben oder zur Musik des Metal im Allgemeinen wird auch deutlich, wie viel Wert darauf gelegt wird, eine vermeintlich reale Forderung in den Texten als Kunstform zu erkennen und von der wahren Einstellung zu unterscheiden. Aus der Perspektive mancher, die Metal hören, soll in der Prosafassung des Alltags niemand Gewalt fordern. Denn dann begibt er sich außerhalb des Werkes. Er droht dann, so verstanden zu werden, als würde er den Hass wirklich leben wollen. Er trennt Werk und Leben nicht klar genug. Hass darf also nicht Ziel, wohl aber Thema der Musik sein.

Metal und Punk begeben sich in eine Nähe zu Gefühlen, dass es einen nicht selten Schaudern macht. Die Gefühle, die der gepflegte Gärtner gerne verdrängt, werden in diesem Unterfangen eine Kunstform. Es geht an niemandem vorbei, wenn sich ganz gewöhnliche Menschen radikalisieren und hassen. Will man aber seien Zeit innerlich auch verstehen können, nicht nur an ihr leiden, sondern sie überlegt nachvollziehen, ist die Kunst ein geeigneter Rahmen. Es ist daher wertvoll, das Leben und die Werke der Kunst unterschiedlich zu betrachten, wie auch Gefühl und Verstand. Bei aller Interaktion zwischen beiden.

Punk kann dabei in die Nähe der Verzweiflung in einer Weise kommen, dass man es kaum glauben kann, was Kunst überhaupt vermag! Wie die Platte „Ceaseless Desolation – Nicość“. Nicość ist Polnisch und lässt sich am Besten englisch mit „Nothingness“ übersetzen – deutsch: „Das Nichts“. Alleine das Cover, mit harten Schwarz-Weißen Werten, zeigt einen in Ruinen weinenden Punk und ist Verzweiflungskunst. Die Musik kann man praktisch nicht hören, so entsetzlich wird hier gelallt und geröchelt, in zwei Tonhöhen, Tenor und Bass. Es dauert, bevor man ein Stück, geschweige denn eine Plattenseite, zusammenhängend hören kann.

Punk aber wechselt häufiger von der Beschreibung eines Gefühls auch in die überlegte Mitteilung von Inhalten. „and the winner is…“ heißt die LP der Hardcore-Punk-Band „Driller Killer“. Er verweist sofort konkret auf eine gesellschaftliche Situation, die so gesehen wird, dass niemand mehr gewinnt bei dem „Gesellschaftsspiel“. Es sei davor gewarnt, die Discographie dieser Band zu recherchieren, denn es gibt da ein Cover, dessen Anblick traumatisiert. Hier sind tatsächlich die Grenzen erreicht, welche Kunst man ertragen, auch tolerieren kann – im Visuellen sind sie schneller überschritten. Wertvoll bleibt das eigentliche Werk, die Musik, die Texte, die Themen angehen, auch, wenn die Wut über diese Themen gleichzeitig mit der sachlichen Schilderung anklingt. Mitten in den Schilderungen schrecklichster Missstände aber kommt bei Driller Killer ein Lichtblick auf, das Stück „Lost man landing“:

“I see a new beginning

where everything feels good

where no one bothers no one

the peaceful neighbourhood

a world where hate´s been banished …”

Der Text überrascht. Hier geht es sowohl um Hoffnung, wie auch um konkrete Werte einer besseren Gesellschaft. Musikalisch ist das Stück in derselben Weise gespielt, wie die anderen Stücke: Die Äußerung von Hoffnung wird hervorgestoßen, wegen der empfundenen Hoffnungslosigkeit. Der hoffnungsvolle Text erklingt in der genreüblichen, wutgeladenen Musik, da die Sänger Hoffnung an sich kaum ertragen.
Punk ist musikalisch weniger eingängig, textlich aber meist konkreter. Nicht zufällig sind Punk und Metal sehr unterschiedliche Kunstformen. Heavy Metal, den ich vor allem höre, ist musikalisch eingängiger, von den Texten her subjektiver. Nur darin besteht eine Berührung mit dem Pop und seiner Subjektivität. So kommen die beiden nur scheinbar unvereinbaren Pole dieser Geschichte, die ich erzähle, am Ende zusammen.

lpg-schweinezucht
Ich höre Punk und Metal, möchte aber nicht, dass die Welt ganz oder Teilweise zerstört wird, damit danach „Friede“ einkehrt. A war to end all wars, der die Menschen und Natur zerstört? Idiotisch! Krieg als Reinigung? Für mich keine Hoffnung. Gute, ernst gemeinte, intensiv gefühlte, konkrete Musik ist eine Hoffnung. Egal, welches von den vielen Gefühlen, die wir Menschen haben, kennen und durchleben, da thematisiert wird. Sie müssen nur ernsthaft thematisiert werden. Die eine Musik-Kunst enthält die sinnende, zweifelnde, immer noch hoffende Liebe, so der Pop. Die andere gibt sich hin, der aufgegebenen Hoffnung und dem Wunsch, alles soll zerfallen, so Metal. Und die dritte Musikkunst beschreibt die Verzweiflung zusammen mit dem intensiven Ruf  nach Menschlichkeit, so der Punk.

Das treibt mich um, wenn ich nicht meinem Beruf oder dem Balkongärtnern nachgehe. Vielleicht sieht man eine Parallele zum Balkonbloggen: Wie ich dort letztlich alle Pflanzen nahe bringen möchte und nur in äußerst seltenen Ausnahmen eine als „Unkraut“ bezeichne, erkunde ich auch gerne neue Kunstformen um ihre innere Schönheit zu finden.

Was bedeutet mir als Konsumenten und Gärtner „Bio“ und Drumherum?

Vor Kurzem habe ich mich über einen Artikel in der sonst gern gelesenen „Zeit“ geärgert. Es war ein subtiler Artikel, der einen einsog, denn: Er war in der Printausgabe am 19. Januar buchstäblich mit der Hand geschrieben! Zwar reproduziert, aber doch eine persönliche Handschrift von Petra Wöhrmann. Das war subtil, denn es frappierte, so was hatte ich noch nie gesehen. Was aber wollte diese Form?

ohne-titelDer Artikel vermittelte am Beispiel Berlin Prenzlauer Berg (wie sollte es anders sein), dass man sich mit „Handgemacht“ was vorlüge.

Also, das alte Echo, Leute, die handgefertigtes kaufen, glaubten angeblich die Welt zu verbessern. Ich frage mich, wer das wirklich glaubt. Und daher habe ich mich erstmal selbst gefragt, was ich mit dem Rummel konkret am Hut habe? Mir geht’s so: Ich glaube als Konsument im Segment „Nachhaltig“ / „Bio“ / „Handgemacht“ ist mir sehr wohl bewusst, dass ich damit im Großen relativ wenig bewirke. Im Großen arbeitet die Politik an Lösungen, was auch nicht immer einfach ist. Mir persönlich nun ist es schlicht wichtig, bei möglichst Vielem, das ich tue, eine Basis zu finden. Es soll meine Grundeinstellung irgendwie wiederspiegeln. Ich möchte mit Menschen in Kontakt treten (was ich ja schon beim Kauf einer Milchflasche in vielerlei Hinsicht tue), die ich damit so wenig, wie es mir möglich ist, missachte oder misshandele. Ich weiß, wie widersprüchlich dieser Wunsch ist. Wenn ich dies schreibe, und Frau Schubert in ihrem von mir sehr geschätzten Kein-Plastik-Blog philosopiert, dann schreiben wir auf einem Computer mit viel Plastik, der teuer war, aber dennoch unter schlechten bis menschenunwürdigen Bedingungen produziert. Wir haben keine Wahl, entweder, digitaler Verzicht, oder, mitmachen. Es gibt keinen Zwischenweg, keine Lösung für uns als Konsumenten. Auch können sich viele die hier vorgebrachten Sorgen schlicht nicht leisten.

Wenn ich aber Bio kaufe, wenn ich mich erkundige, wo es nachhaltige Produkte für einen Wunsch von mir gibt, wenn ich lieber etwas handwerklich reparieren lasse, selbst, wenn das an den Preis des Neukaufs heranreicht, dann sind überall Menschen damit verknüpft, denen ich als Handelspartner fair begegne. Möglicherweise leiden andere, möglicherweise ist der Weg erst nur beschritten. Aber es ist doch nicht sinnlos, die Dinge Ernst zu nehmen und in guter Hoffnung auf eine Besserung im Kleinen anzugehen! Ich denke, darum geht es, dass der das tun soll, der es sich leisten kann.
Immer noch besser als aufgeben!

PS 1, Quelle: Aufgegeben hat es, wie mir scheint, Stefanie Flamm in dem „Die Zeit“-Artikel, hier, online seltsamerweise nicht handgeschrieben.

PS 2, Nachsatz: Dieser Artikel hier ist natürlich für meinen Blog ungewöhnlich. Ich experimentiere vor meinem zweijährigen Blogjubiläum nächste Woche, wo ich noch anders schreiben werde, etwas. Was mir auffällt: Wenn man einen solchen, unvermeidlich politischen Artikel schreibt, was ich nicht gewohnt bin: Es ist es so schwer, nicht in das übliche Hickhack zu verfallen, „doofe Presse“, „doofe Politik“, etc. Ich glaube, dass ich Frau Flamm nicht Unrecht tue, wenn ich ihren Artikel ärgerlich fand. Merkte aber zugleich, dass ich mich schon in der ersten Zeile rechtfertigen möchte, dass ich „Die Zeit“ (und generell die etablierte Presse!) zutiefst achte und schätze.

Rosen radikal schneiden en gros. Alte, verwachsene Rosen. Und ein Apfel!

Es ist wohl bekannt, dass die meisten Rosenprofis den radikalen Schnitt vertreten. Wie aber sieht sowas im Gesamtbild dann aus?radikaler-rosenschnitt-februar

Hierüber ein „vorher“. Die Regel ist ja, dass man in den Gärten meist einen sehr gemäßigten Schnitt sieht: Hier ein bisschen was weg, und da, aber nicht auf den Grund.
radikaler-rosenschnitt-februar-2
Hier sieht man eine Folge von Rosen wie sie beschnitten werden.
radikaler-rosenschnitt-februar-3
Sie sind sehr schön, aber über mehrere Jahre verwachsen und nur mäßig gechnitten.
radikaler-rosenschnitt-februar-4
Das ist in meinem Kleingarten, und ich musste da nun ran. Ich habe die Kamera aufs Stativ
radikaler-rosenschnitt-februar-5
gestellt, damit man sieht, was der radikale Schnitt bei einem kompletten Beet bedeutet.
radikaler-rosenschnitt-februar-6
Es ist nämlich hinterher quasi alles weg.
radikaler-rosenschnitt-februar-7
Ich möchte hier zeigen, dass einem diesen Schrecken, wie viel man entfernt, niemand nimmt. Aber, das ist richtig so! Bei mehrmals blühendenRosen gibt es auf jeden Fall schon in diesem Jahr wieder Blüten. Bei einmalblühenden Rosen wird es möglicherweise erst wieder kommendes Jahr welche geben. Eine Verjüngung der Sträucher, d.h., ein Zurückschneiden um dann ganz junge Triebe zu erhalten, ist aber alle 5 Jahr allemal notwendig. Das war hier offenbar der Fall. Und es wird sich auszahlen, an Blüten und Gesundheit! So SOLL es also hinterher aussehen:
radikaler-rosenschnitt-februar-8
Und ich kann nur sagen, wenn man so schneidet, ist man auch besonders stolz hinterher. (Wer diese Bilderfolge wirklich genießen möchte, läd sie herunter und schaut sie in der Reihenfolge in einem Diaprogramm an. Dafür habe ich die Nummern schon in den Bilddatei-Namen gegeben).

Dennoch, ist konsequenter Schnitt nicht einfach „Rasenmäher“, sondern präzise Auswahlarbeit!!
1-konsequenter-rosenschnitt-verwachsene-rose
Ein Fall im Detail – hierüber sieht man einen Riesenbusch schönster Rosen! Man schaut sich den Busch zunächst an, und sieht, der hat wunderbarer Weise vier ganz kräftige, junge Triebe aus dem letzten Jahr. Da ist die Entscheidung, auf die zurück zu schneiden, klar. Zunächst entfernt man alle toten, kleinen Triebe dazwischen, um einen besseren Überblick zu bekommen:
2-konsequenter-radikaler-rosenschnitt-verwachsene-rose
Sogleich darauf muss das ganz alte, dicke Holz weg!!
4-konsequenter-radikaler-rosenschnitt-verwachsene-rose
Na also, sieht doch schon besser aus! Nun werden nur noch die jungen Triebe auf Augen, die nach Außen zeigen, zurück geschnitten.
5-konsequenter-radikaler-rosenschnitt-verwachsene-rose
Und so schön und klar sieht dieses Paradebeispiel am Ende aus. Man kann sich nun sicher sein, dass die ganze Kraft, die in diesen Riesigen Busch mit seinen 8 stark verzeigten Trieben gegangen war, nun in die drei gesunden und kräftigen Triebe gehen wird! Das wird schön werden. Ich werde euch die Bilder zeigen.
Aber, auch ich habe an einer bestimmten Stelle, am Anfang des Weges, einen Busch weniger stark geschnitten, da ich ihn dort etwas weiter oben haben möchte:
1-vorsichtiger-rosenschnitt
So sah er vorher aus, genauso verwachsen wie der andere, aber mit viel altem Holz. Das hat ja auch seinen Wert, solches altes Holz, es ist stabil und klar.
2-vorsichtiger-rosenschnitt
Daher wurde nur ein zu dicker, zu alter Trieb links auch bis tief nach unten weggeschnitten. Ebenso, im zweiten Schritt, der zweitdickste in der Mitte, nach der Erfahrung: Je dicker, je älter.
3-vorsichtiger-rosenschnitt
Aber, anders als beim vorherigen schneide ich die anderen alten, mittelalten und den einen jungen Trienb dann von oben her, OBERHALB DER ERSTEN VERZWEIGUNG Stück für Stück herunter. Bis ich die richtige Stelle und die richtigen Augen gefunden habe.
4-weniger-radikaler-rosenschnitt
So habe ich bei diesem Busch von usrprünglich sechs Trieben 4 übrig gelassen, von denen nur einer jung ist, die anderen mittelalt und alle stehen mit einer Verzweigung da. Das ist hier nur für diesen Fall, am Auftakt des Beetes, so gemacht. Ich will  auch mal Erfahrungen machen, wie es sich entwickelt, wenn man etwas mehr stehen lässt!

Schneiden macht Spaß, sobald man etwas gelernt hat und beginnt, sich was zuzutrauen. Immerhin habe ich an dem Tag gut 20 solche Rosen in einer Stunde geschnitten, da wird man eben einfach schell.
Und, in meiner Kleingartenkolonie, Bornholm 2, gab es am Wochenende zudem einen Obstbaumschnitt-Kurs. So große, alte Bäume zu bescheiden, da sollte man doch erst mal Grundlegendes lernen. Und das habe ich. Also, erst mit „Führerschein“ machte ich mich ans Werk im eigenenGarten. Hier ist mein schönster alte Apfel einer historischen Apfelsorte vor dem Schnitt:
apfelbaum-vor-verju%cc%88ngungsschnitt
Der Stamm, der unten links nach vorne geht, war hohl und krank. Ihn musste ich entfernen, damit die Krankheit sich nicht ausbreitet. Und um Luft und Platz für neues zu schaffen. Das nennt man ja „Verjüngungsschnitt“, wenn man alte Triebe entfernt um neuen die Chance zu geben.
apfelbaumschnitt-wassertriebe-noch-dran
SO sah das in einem Zwischenstadium aus. Hier ist der große Stamm schon weg. Und viele mittelgroße Äste, die ich von unten mit der Teleskopäge entfernen konnte. Das ist praktisch, da man von unten einen guten Überblick hat. Bei dem Bild hierüber sind die geilen, lang nach oben schießenden „Wassertriebe“, die nichts oder nicht gut tragen, alle noch dran.
alter-historischer-apfelbaum-geschnitten
Diese sind hier weg und alles ist fertig. Wassertriebe kommen in der Regel nach, oft kann man nichts gegen sie machen. Daher sieht man, dass ich manche davon nur gekürzt habe, in der Hoffnung, dass sie tragende Seitentriebe bekommen.

Schneiden macht Spaß! Ich kann radikalen Schnitt in jeder Hinsicht wärmstens empfehlen.